„Es sieht zwar nicht gut aus, wenn ein Mensch sich selbst rühmt, aber ich sage es nur, weil's die Wahrheit ist. Ich glaube, ich bin bekannt dafür, daß ich die besten Negerzüge auf den Markt bringe; wenigstens hat man mir so gesagt: alle in gutem Stande, – fett und gesund, und ich verliere weniger als irgend Einer im Geschäfte. Alles das kommt aber nur von der Art her, wie ich das Geschäft betreibe, Herr! Menschlichkeit, Herr, kann ich sagen, ist die große Säule meines Geschäfts.“
Mr. Shelby wußte nicht, was er eben dazu sagen sollte, und sagte deshalb nur: „Wirklich?“
„Ja, seht, man hat mich ausgelacht wegen dieser Ideen, und hat mir Vorwürfe gemacht. Sie wären nicht populär, und nicht allgemein, hieß es; aber ich blieb dabei, – blieb dabei, und habe guten Profit damit gemacht; – ja, Herr, sie haben sich bezahlt gemacht, kann ich sagen,“ fügte er, über seinen eigenen Witz lachend, hinzu.
Es lag etwas so Pikantes und Originelles in dieser Anschaulichmachung von Menschlichkeit, daß Mr. Shelby unwillkürlich mitlachen mußte. Vielleicht lachst Du auch, lieber Leser; allein Du weißt, daß Menschlichkeit sich heut zu Tage unter sehr verschiedenartigen Formen und Gestalten zeigt, und daß die Sonderbarkeiten des menschlichen Thuns und Treibens nie aufhören werden.
Mr. Shelby's Lachen ermuthigte den Händler, fortzufahren.
„S'ist kurios! aber ich habe das niemals den Leuten in den Kopf bringen können. Da war Tom Locker, mein alter Compagnon, in Natchez, – ein gewandter, geschickter Kerl, dieser Tom, – aber ein wahrer Teufel bei den Negern; – und aus Grundsatz, – aus Grundsatz, denn einen gutherzigeren Kerl hat es nie gegeben; – aber s'war sein System, Herr. Ich pflegte mit ihm zu reden. ‚Tom,‘ sagte ich, ‚wenn Deine Weiber an zu schreien fangen, was nützt es dann, ihnen mit der Peitsche um die Ohren zu hauen? S'ist lächerlich,‘ sagt' ich, ‚und thut nicht gut. Ich nehm's ihnen nicht übel,‘ sagt' ich, ‚s'ist Natur,‘ sagt' ich, – ‚und muß sich Bahn machen so oder so. Und nebenbei, Tom,‘ – sagt' ich – ‚verdirbt's Dir die Weiber, sie werden kränklich und lassen's Maul hängen; – und manchmal werden sie häßlich, – besonders die gelben, – oder der Teufel holt sie ganz und gar. Warum‘ – sagt' ich – ‚kannst Du sie nicht lustig machen, und freundlich mit ihnen reden? Glaube mir, Tom, so ein Bischen Menschlichkeit mit hineingeworfen in's Geschäft, ist ein gut Theil besser, als Dein Fluchen und Peitschen; und außerdem bringt's mehr ein,‘ – sagt' ich, – ‚glaube mir.‘ Aber Tom wollte nichts davon wissen, und verdarb mir so Viele, daß ich zuletzt mit ihm abbrechen mußte, obgleich er ein gutherziger Kerl war, und ganz vortrefflich im Geschäfte.“
„Und findet Ihr, daß Eure Art das Geschäft zu betreiben, vortheilhafter ist, als Tom seine?“ sagte Mr. Shelby.
„Ja, ich glaube. Seht, wenn ich irgend kann, so geb' ich wohl Acht, bei den unangenehmen Theilen des Geschäfts, wie Kinder verkaufen, – schaffe die Weiber aus dem Wege, – aus den Augen, aus dem Sinn, Ihr wißt ja, – und wenn Alles abgemacht ist, und Nichts mehr dran geändert werden kann, so gewöhnten sie sich natürlich daran. S'ist ja nicht, als wenn es Weiße wären, die dazu erzogen worden sind, für ihre Weiber und Kinder zu sorgen, und alles das. Neger, wißt Ihr wohl, die richtig aufgebracht worden sind, wissen von allem Dem nichts und so wird's ihnen viel leichter.“
„Dann fürchte ich, daß die meinigen nicht richtig aufgebracht worden sind,“ sagte Mr. Shelby.
„Wahrscheinlich. Ihr Kentucky Leute verderbt alle Eure Neger. Ihr meint's ganz gut, aber das heißt nicht ihnen wirklich Gutes thun. Seht, ein Neger, der in der Welt herumgestoßen und geworfen, und an Tom, und Dick, und Gott weiß wen, verkauft werden soll, – für den ist's keine Wohlthat, Begriffe zu bekommen und Hoffnungen, oder zu gut aufgebracht zu werden, denn das Rauhe und Harte fällt ihm nachher um so schwerer. Die Sache ist, Mr. Shelby, jeder Mensch hält natürlich seinen eigenen Weg für den besten; und ich denke, ich behandle meine Neger gerade so gut, als es ihnen zuträglich ist.“