„Es ist eine schöne Sache, mit sich selbst zufrieden zu sein,“ sagte Mr. Shelby mit einem leichten Schauder und einer lebhaften Empfindung von Abscheu.

„Wohl,“ sagte Haley, nachdem Beide eine Zeit lang stillschweigend ihre Nüsse geschält hatten, „was meint Ihr dazu?“

„Ich will die Sache mit meiner Frau überlegen und besprechen,“ sagte Mr. Shelby. „Inzwischen, Haley, wenn Ihr wünscht, daß die Sache in aller Stille abgemacht werden soll, wie Ihr vorhin erwähntet, so würdet Ihr am besten thun, Euch nichts davon hier in der Nachbarschaft merken zu lassen. Es könnte sonst unter meine Leute kommen, und es möchte kein sehr ruhiges Geschäft sein, einen von ihnen von hier wegzubekommen, wenn sie es vorher wissen, – darauf verlaßt Euch.“

„Versteht sich, auf jeden Fall, nichts gesprochen. Aber hört, ich hab's teufelmäßig eilig, und muß es so schnell wie möglich wissen, woran ich bin,“ sagte er indem er aufstand und sich seinen Ueberrock anzog.

„Wohl, kommt diesen Abend zwischen sechs und sieben Uhr, dann sollt Ihr meine Antwort haben,“ sagte Mr. Shelby, worauf der Händler sich mit einer Verbeugung aus dem Zimmer entfernte.

„Ich wollte, ich hätte den Kerl die Treppe hinunter werfen können,“ sagte Shelby zu sich selbst, als die Thür wieder fest geschlossen war, – „mit seiner Unverschämtheit! allein er weiß, welchen Vortheil er über mich hat. Wenn Jemand jemals zu mir gesagt hätte, daß ich den Tom an einen dieser schuftigen Händler im Süden verkaufen sollte, so würde ich gefragt haben: ‚Ist Dein Diener ein Hund, daß das mit ihm geschehen soll?‘ – und nun muß es doch geschehen, so viel ich sehen kann. Und Elisa's Kind dazu! Ich weiß im voraus, daß ich deshalb bei meiner Frau einen harten Strauß zu bestehen haben werde: und eben so wegen Tom's. Alles wegen der fatalen Schulden! – Der Kerl sieht seinen Vortheil und will so viel Nutzen wie möglich davon ziehen.“

Die mildeste Form von Sklaverei ist vielleicht in Kentucky zu finden, wo die ausgedehntere Betreibung eines ruhigen Feldbaues in regelmäßigen Abstufungen nicht jene periodischen Ueberhäufungen von Arbeit herbeiführt, die in den südlicheren Provinzen so gewöhnlich sind, und deshalb das Loos des Negers ein unerträglicheres ist, während der Herr, zufrieden mit einem allmählicheren Erwerbe, nicht jenen Versuchungen, hartherzig zu werden, ausgesetzt ist, die stets den Sieg über die schwache menschliche Natur davon tragen, sobald die Aussicht auf einen schnellen und plötzlichen Gewinn in die Wagschaale fällt, und kein schwereres Gegengewicht vorhanden ist, als die Rücksicht auf Hülflose und Schutzlose.

Wer gewisse Besitzungen dort besucht, und die nachsichtige, wohlwollende Behandlung einzelner Herren und Herrinnen, und die aufrichtige Anhänglichkeit einzelner Sklaven sieht, möchte sich versucht fühlen, von der oft wiederholten poetischen Fabel patriarchalischer Institutionen zu träumen; allein über diesen Scenen hängt ein schwarzer Schatten, – der Schatten des Gesetzes. So lange das Gesetz alle diese menschlichen Wesen mit schlagenden Herzen und regen Empfindungen nur als eben so viel Dinge ansieht, die einem Herrn gehören, – so lange das Falissement, oder sonstiges Unglück, oder Unklugheit, oder der Tod eines menschenfreundlichen Herrn die Ursache werden kann, daß dieselben ein Leben freundlichen Schutzes und Wohlwollens gegen ein Leben voll harter Arbeit und endloses Elend vertauschen müssen, – so lange ist es unmöglich, auch das bestverwaltete Sklavenverhältniß zu einem schönen, angenehmen Loose zu machen.

Mr. Shelby war ein gewöhnlicher, gutmüthiger Mensch, freundlich und stets bereit, den Wünschen seiner Umgebung zu entsprechen, so daß den Negersklaven seiner Besitzung nie etwas mangelte, was zu ihrem körperlichen Wohlbefinden beitragen konnte. Er hatte sich aber in bedeutende und unvorsichtige Speculationen eingelassen, hatte sich dabei tief verwickelt, und seine Wechsel waren zu einem bedeutenden Betrage in Haley's Hände gefallen. Dieser Umstand diene als Schlüssel zu der vorangegangenen Unterhaltung.

Inzwischen hatte es sich zugetragen, daß Elisa, als sie sich der Thür nahte, genug von obiger Unterhaltung hörte, um zu erfahren, daß der Händler ihrem Herrn Anerbietungen für irgend Jemanden mache. Sie hätte gern an der Thür gehorcht, als sie das Zimmer wieder verließ, allein ihre Herrin rief gerade nach ihr und zwang sie davon zu eilen. Dennoch glaubte sie gehört zu haben, daß der Händler ein Gebot für ihr Kind gemacht habe; – konnte sie sich geirrt haben? Ihr Herz schlug fieberhaft, und unwillkürlich preßte sie ihn so gewaltsam an sich, daß das Kind ihr erstaunt ins Gesicht blickte.