»Sein Geist irrt umher,« sagte der Arzt.
»Nein, er geht endlich heim!« sagte St. Clare mit Nachdruck; »endlich! endlich!«
Die Anstrengungen, die er machte, um zu sprechen, erschöpften ihn. Allmählig überzog Todesblässe sein Gesicht; aber mit ihr nahmen seine schönen Züge einen sanften Ausdruck des Friedens an, wie den eines müden Kindes, welches einschlafen will.
So lag er einige Augenblicke. Die Umstehenden sahen, daß die mächtige Hand ihn bereits berührt habe. Kurz zuvor, ehe sein Geist entfloh, öffnete er seine Augen mit einem Glanze, aus dem die Freude der Wiedererkennung strahlte, und mit dem Ausrufe: »Mutter!« verschied er.
Neunundzwanzigstes Kapitel.
Die Schutzlosen.
Wir hören oft von dem unglücklichen Zustande der Negersklaven beim Verluste eines guten Herrn, und nicht ohne Grund, denn kein Wesen auf Gottes Erde ist schutzloser und verlassener, als ein Sklave unter solchen Umständen.
Das Kind, welches einen Vater verloren hat, genießt noch den Schutz der Verwandten und des Gesetzes; es ist Etwas, und kann Etwas thun, — hat eine anerkannte Stellung und Rechte; der Sklave hat keine. Das Gesetz sieht ihn in jeder Beziehung als so rechtlos an wie einen Ballen Waare. Die einzig mögliche Anerkennung seiner Wünsche und Bedürfnisse, als eines menschlichen und unsterblichen Wesens, welche ihm werden kann, muß durch den souveränen und unverantwortlichen Willen seines Herrn erfolgen. Die Zahl derjenigen Menschen, welche eine ohne jede Verantwortlichkeit verliehene Gewalt mit Menschlichkeit und Edelmuth auszuüben verstehen, ist nur klein. Jedermann weiß das, und der Sklave weiß es am besten, daß er eher zehn grausame und tyrannische Herren, als einen milden und gütigen findet. Deßhalb ist die Klage um einen menschenfreundlichen Herrn so laut und so anhaltend, wie es nicht anders sein kann.
Als St. Clare verschieden war, hatten Schrecken und Bestürzung das ganze Hausgesinde ergriffen. Er hatte seinen Tod so plötzlich, in der Blüthe der Kraft und Jugend gefunden. Jedes Zimmer und jede Gallerie des Hauses widerhallte von Schluchzen und Geschrei.