Legree hatte so viel getrunken, daß er sich geneigt fühlte, in diesem herablassenden Tone zu reden. Gleich darauf zeigten sich den Reisenden die Umzäunungen der Plantage.

Die Besitzung hatte früher einem Manne gehört, der Reichthum und Geschmack besaß, und sehr viel für die Verschönerung der Anlagen gethan hatte. Da er insolvent starb, so kaufte sie Legree um einen billigen Preis, und benutzte sie, wie alles Andre in der Welt, lediglich als Werkzeug, Geld zu verdienen. Der Ort hatte ein ödes, verwildertes Ansehen, was sich immer dann zeigt, wenn die Sorgfalt eines früheren Besitzers dem gänzlichen Verfalle überlassen worden ist.

Was einst ein glatt geschorener Rasenplatz vor dem Hause gewesen war, der hier und da verzierende Stauden getragen hatte, war jetzt mit dichtem, wilden Grase überwachsen, und zur Anlage von Pferdeständen benutzt, wo der Rasen zertreten, und der Boden mit zerbrochenen Eimern, Maishülsen und andern Fragmenten bedeckt war. Hier und da hing ein verwelkender Jasmin oder ein verkümmerndes Geißblatt von einer Säule herab, die früher als Verzierung gedient, aber jetzt eine schiefe Stellung angenommen hatte, weil sie als Pferdepfosten benutzt worden war. Was früher ein großer Garten gewesen, war jetzt mit Unkraut überwachsen, aus welchem hier und da noch eine einzelne Zierpflanze ihr einsames Haupt erhob. Ein ehemaliges Gewächshaus war jetzt ohne Fenster, und auf den modernden Blumenbrettern standen noch einige trockene, verlassene Blumentöpfe, deren verwelkte Stöcke und Blätter kaum erkennen ließen, daß sie einst Pflanzen gewesen waren.

Der Wagen fuhr einen mit Unkraut bedeckten Kiesweg hinauf, durch eine schöne Allee von Chinabäumen, deren anmuthige Formen und immergrünender Blätterschmuck die einzigen Dinge hier zu sein schienen, die Vernachlässigung nicht verändern konnte, gleich edlen Geistern, die ihre Wurzeln so tief in den Boden des Guten geschlagen haben, daß sie selbst unter Entmuthigung und Verfall blühen und kräftiger werden.

Das Wohnhaus war groß und schön gewesen, und war in dem im Süden gewöhnlichen Style erbaut. Eine zwei Stock hohe Veranda, deren unterer Theil von massiven Säulen getragen wurde, umgab dasselbe auf allen Seiten, und nach ihr öffneten sich alle äußeren Thüren des Hauses.

Allein das ganze Gebäude sah öde und unbehaglich aus. Einige Fenster waren mit Brettern verschlossen, andere hatten zerbrochene Scheiben, und Laden, die nur noch an einer Angel hingen. Alles verrieth rohe Vernachlässigung und Unbehaglichkeit. Zerbrochene Bretter, Stroh, alte, eingefallene Fässer und Kisten bedeckten den Boden in allen Richtungen; und drei bis vier wild aussehende Hunde, die durch das Geräusch der Wagenräder erweckt worden waren, kamen angesprungen, und wurden nur mit großer Mühe von den ihnen folgenden, zerlumpten Dienstboten abgehalten, über Tom und seine Genossen herzufallen.

»Da seht Ihr, was mit Euch geschehen würde!« sagte Legree zu Tom und seinen Gefährten, während er seine Hunde mit grimmiger Freude liebkoste. »Ihr seht, was mit Euch geschehen würde, wenn Ihr fortlaufen wolltet. Diese Hunde sind dressirt, Niggers aufzuspüren, und würden eben so gut einen von Euch zermalmen und verschlucken, wie sie ihr Abendbrod verzehren. Also nehmt Euch in Acht! — Sieh' da, Sambo!« sagte er zu einem zerlumpten Kerl mit einem Hut ohne Krempe, der sehr geschäftig in seinen Aufmerksamkeiten um ihn war. »Wie sind die Sachen hier gegangen?«

»Vortrefflich, Master.«

»Quimbo,« sagte Legree zu einem Andern, der sich die möglichste Mühe gab, seine Aufmerksamkeit zu erregen, — »Du hast das gethan, was ich Dir gesagt habe?«