»Und nun,« sagte Legree, »komme Du her, Tom. Siehst Du, ich sagte Dir vorher, daß ich Dich nicht für gemeine Arbeit gekauft hätte. Ich will Dich erhöhen, und 'nen Aufseher aus Dir machen, und so kannst Du heut Abend gleich anfangen, und Deine Hand dazu thun. Also nimm' hier das Weib, und peitsche sie aus; hast schon genug davon gesehen, um zu wissen, wie Du's machst.«

»Ich bitte Master um Verzeihung,« sagte Tom, — »hoffe, Master wird das nicht von mir verlangen. Bin nicht daran gewöhnt, — hab's nie gethan, — und kann's nicht thun, — ganz unmöglich.«

»Wirst noch Manches lernen müssen, was Du nie gewußt hast, eh' ich mit Dir fertig bin!« sagte Legree, während er die Peitsche aufhob, und Tom einen schweren Hieb über die Backe versetzte, und dann einen Schauer von Hieben nachfolgen ließ. »Da!« sagte er, als er inne hielt, um auszuruhen, — »willst Du mir nun noch sagen, Du kannst nicht?«

»Ja, Master,« entgegnete Tom, während er seine Hand aufhob, um das Blut abzuwischen, welches ihm vom Gesichte herabträufelte. »Ich bin bereit, Tag und Nacht, so lange Leben und Athem in mir ist, zu arbeiten; aber das halt' ich nicht für recht zu thun, — und, Master, ich werde 's nimmer thun, — nimmer

Tom hatte eine außerordentlich sanfte, weiche Stimme, und beobachtete stets, gewohnheitsgemäß, ein ehrerbietiges Benehmen, was Legree zu dem Glauben veranlaßt hatte, daß er furchtsam und leicht zu unterwerfen sei. Als er diese letzten Worte sprach, überlief Alle ein Schreckensschauer; das arme Weib schlug seine Hände zusammen, und rief: »o Herr!« und alle Anwesenden blickten sich unwillkürlich gegenseitig an, und hielten den Athem an, wie um sich auf den Sturm vorzubereiten, der jetzt folgen müsse.

Legree stand starr vor Verwunderung und ganz verwirrt da; endlich aber brach er los:

»Was! Du verdammtes schwarzes Biest! Du willst mir sagen, Du hältst es nicht für recht zu thun, was ich Dir heiße? Was hat eins von Euch verfluchten Stücken Vieh nöthig, dran zu denken, was recht ist. Wart', ich will dem Dinge ein Ende machen! Was meinst Du denn, daß Du bist? Glaubst wohl, Du bist ein Herr, Mister Tom, der seinem Master sagen will, was recht ist, und was nicht! Bist also der Meinung, daß es unrecht sei, das Weib zu peitschen?«

»Ich denke so, Master,« sagte Tom; »das arme Geschöpf ist krank und schwach; 's würde ganz grausam sein, und ich kann 's nimmer thun. Master, wenn Sie mich umbringen wollen, thun Sie's; aber meine Hand werd' ich niemals gegen irgend Einen hier aufheben, — lieber will ich sterben!«

Tom sprach mit sanfter Stimme, aber mit einer Bestimmtheit, die sich nicht verkennen ließ. Legree bebte vor Zorn; seine grünlichen Augen funkelten wild, und selbst sein Bart fing sich vor Leidenschaft an zu kräuseln; aber, gleich einem wilden Thiere, das mit seinem Opfer spielt, ehe es dasselbe verzehrt, hielt er seinen heftigen, inneren Drang zur augenblicklichen Gewaltthätigkeit zurück, und brach in bittere Spöttereien aus.

»Sieh' da, hier ist endlich ein frommer Kerl unter uns Sünder gefallen! — ein Heiliger, ein Gentleman, nichts weniger, um uns Sündern unsere Sünden vorzuhalten! Muß 'ne mächtig fromme Kreatur sein! — Hier, Du Schlingel, der Du so fromm sein willst, hast Du nie in der Bibel gelesen: »Ihr Knechte, seid unterthan Eurem leiblichen Herrn!« Bin ich nicht Dein Herr? Hab' ich nicht zwölfhundert Dollar baar Geld bezahlt für Alles, was in Deiner alten, verfluchten schwarzen Schale steckt? Bist Du nicht mein jetzt mit Leib und Seele?« rief er, Tom einen heftigen Stoß mit seinem schweren Stiefel versetzend, — »sage mir!«