Selbst in diesem heftigen physischen Leiden, und obgleich niedergebeugt von roher Gewalt, schoß dennoch bei dieser Frage ein Strahl von Freude und Triumph durch Toms Seele. Er richtete sich plötzlich auf, und inbrünstig zum Himmel blickend, während Thränen und Blut sich auf seiner Wange mischten, rief er:

»Nein! nein! nein! meine Seele gehört Ihnen nicht, Master! Sie haben sie nicht gekauft, — Sie können sie nicht kaufen! Die ist gekauft und bezahlt worden von Einem, der fähig ist, sie zu bewahren; — thut nichts, thut nichts, Sie können mir kein Leid zufügen!«

»Ich kann nicht?« sagte Legree mit höhnischem Lächeln; »wollen seh'n! — wollen seh'n! Hier, Sambo, Quimbo, gebt diesem Hunde 'ne solche Dressur, daß er für diesen Monat genug hat!«

Die beiden gigantischen Neger, welche mit teuflischer Freude in ihren Gesichtern sich jetzt Toms bemächtigten, wären nicht ungeeignet gewesen, die Mächte der Finsterniß persönlich darzustellen. Die arme Frau schrie laut auf vor Schrecken, und Alle, wie von demselben Impulse getrieben, erhoben sich, während Tom, ohne Widerstand zu leisten, hinausgeschleppt wurde.


Vierunddreißigstes Kapitel.
Die Geschichte der Quadroon.

Da lobte ich die Todten, die schon gestorben waren, mehr denn die Lebendigen, die noch das Leben hatten.

Es war Nacht, und Tom lag allein, stöhnend und blutend in einem alten, verlassenen Zimmer des Gin-Hauses zwischen Stücken zerbrochenen Maschinenwerks, Haufen verdorbener Baumwolle und anderem Unrath, der hier aufbewahrt wurde.

Die Nacht war feucht und warm, und die dicke Atmosphäre war angefüllt von Myriaden Moskitos, welche die Qualen seiner Wunden vermehrten, während ein brennender Durst, — die größte aller Torturen, — das höchste Maaß physischer Leiden füllte.