»Was?«
»Etwas, das Nigger von Hexen bekommen. Es macht, daß sie nichts fühlen, wenn sie geprügelt werden. Er hatte es an einem schwarzen Bande um den Hals.«
Legree war abergläubisch, wie fast alle gottlosen und grausamen Menschen. Er nahm das Papier und öffnete es widerstrebend.
Heraus fiel ein Silberdollar und eine lange, glänzende Locke blonden Haares — Haar, welches sich gleich etwas Lebendiges um Legree's Finger wand.
»Donnerwetter!« schrie er plötzlich wüthend auf, indem er auf den Boden stampfte und an den Haaren riß, als wenn er sich daran verbrenne. »Woher ist das gekommen? Nimm es weg! — verbrenne es! — verbrenne es!« schrie er, indem er sie abriß und in die Kohlen warf. »Wozu hast Du mir das gebracht?«
Sambo stand da mit seinem plumpen Munde weit offen vor Schreck und Staunen, und Cassy, die im Begriffe war, das Gemach zu verlassen, blieb da und sah ihn verwundert an.
»Daß Du mir nie wieder etwas von Deinem Teufelszeuge bringst!« sagte er, die Faust gegen Sambo ballend, der sich eilig nach der Thür zurückzog; und nachdem er den Dollar aufhob, warf er denselben durch die klirrende Fensterscheibe hinaus in die Finsterniß.
Sambo war froh, daß er die Flucht ergreifen konnte. Als er fort war, schien sich Legree seines Anfalles von Schreck zu schämen. Er setzte sich mürrisch auf seinen Stuhl und begann verdrießlich seinen Punsch zu schlürfen.
Cassy wollte sich entfernen, ohne von ihm bemerkt zu werden, und schlüpfte davon, um dem armen Tom beizustehen, wie wir schon berichtet haben.
Und was war es mit Legree? und was für eine Bewandtniß hatte es mit einer einfachen Locke blonden Haares, daß dieselbe jenen rohen Menschen zu erschrecken vermochte, der mit Grausamkeit in jeder Gestalt vertraut war? Um dies zu beantworten, müssen wir den Leser in der Geschichte dieses Menschen zurückführen. So hart und verworfen auch der gottlose Mann jetzt erschien, so hatte es doch eine Zeit gegeben, wo er am Busen einer Mutter gewiegt — mit Gebeten und frommen Liedern eingelullt — und seine jetzt gefurchte Stirne mit dem Wasser der heiligen Taufe bethaut worden war. In früher Kindheit hatte ihn eine Frau mit schönem, blondem Haare beim Klange der Sabath-Glocke zur Andacht und zum Gebete geführt. Fern von dort, in Neu-England, hätte jene Mutter ihren einzigen Sohn mit unermüdlicher Liebe und frommen Gebeten auferzogen. Von einem hartgelaunten Vater entsprossen, an welchen jenes sanfte Weib eine Welt von ungewürdigter Liebe verschwendet hatte, war Legree in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Ungestüm, unlenksam und tyrannisch verachtete er alle ihre Rathschläge und wollte von ihrem Vorwurfe nichts hören, und riß sich von ihr in frühem Alter los, um sein Glück auf der See zu suchen. Nur einmal kam er wieder nach Hause; und damals klammerte sich seine Mutter mit dem Jammer eines Herzens, das etwas lieben muß, und nichts weiter zu lieben hat, an ihn und suchte ihn mit leidenschaftlichem Bitten und Flehen von einem Leben der Sünde zum Heile seiner Seele zurückzuführen.