»Die Mutter pflegte mir zu sagen, ich solle nie so etwas anrühren,« sagte Emmeline.

»Die Mutter sagte 's Dir!« rief Cassy mit scharfem und bittern Nachdrucke auf dem Worte Mutter. »Was hilft's, daß Mütter etwas sagen? Ihr werdet alle gekauft und bezahlt, und eure Seelen gehören dem, welcher euch bekommt. So geht 's. Hörst Du! trink Branndwein: trinke so viel Du kannst, und Du wirst Alles leichter tragen.«

»O, Cassy! habt doch Mitleid mit mir!«

»Mitleid mit Dir! Habe ich etwa keins? Habe ich keine Tochter? — Gott weiß, wo sie ist, und wem sie jetzt gehört! Sie geht vermuthlich den Weg, welchen ihre Mutter vor ihr ging, und den ihre Kinder nach ihr gehen müssen! Der Fluch hört nie auf!«

»Ich wollte, ich wär' nie geboren!« sagte Emmeline, ihre Hände ringend.

»Das ist ein alter Wunsch von mir,« sagte Cassy. »Ich habe mich ganz daran gewöhnt, das zu wünschen. Ich stürbe, wenn ich es wagte,« sagte sie, indem sie in die Dunkelheit hinausschaute mit jener stillen, starren Verzweiflung, dem gewöhnlichen Ausdrucke ihres Antlitzes, wenn es ruhig war.

»Es wär gottlos, sich das Leben zu nehmen,« sagte Emmeline.

»Ich weiß nicht warum; nicht gottloser, als was wir Tag für Tag erleben und thun. Als ich aber im Kloster war, haben mir die Schwestern Dinge erzählt, die mir vor dem Sterben bange machen. Wär' es nur mit uns zu Ende, ja dann —«

Emmeline wendete sich ab und verbarg ihr Gesicht mit den Händen.

Während diese Unterhaltung in der Kammer vor sich ging, war Legree, überwältigt vom Zechgelage, im untern Zimmer in Schlaf gesunken. Er war nicht von Gewohnheit ein Trunkenbold. Seine rohe, starke Natur verlangte und ertrug eine fortwährende Aufregung, welche eine schwächere gänzlich aufgerieben haben würde. Aber Vorsicht hielt ihn ab, sich der Schwelgerei in einem solchen Maaße hinzugeben, daß er dadurch die Herrschaft über sich selbst verlor.