Diese Nacht hatte er sich jedoch in seinen fieberhaften Anstrengungen, aus seinem Gemüthe jene furchtbaren Gewissensbisse zu verbannen, welche in ihm erwachten, mehr als gewöhnlich erlaubt, so daß er, nachdem er seine schwarzen Diener verabschiedet hatte, schwer in einen Sessel fiel und fest einschlief.

O, wie darf die schlechte Seele die Schattenwelt des Schlafes betreten? — jenes Land, dessen dunkle Gränzen dem geheimnißvollen Schauplatze der Vergeltung so furchtbar nahe liegen! Legree träumte. In seinem schweren und fieberischen Schlafe stand eine verschleierte Gestalt neben ihm, und legte eine kalte, weiche Hand auf ihn. Er glaubte zu wissen, wer es sei; er schauderte und Grauen beschlich ihn, obgleich das Antlitz verschleiert war. Bald glaubte er, er fühle jenes Haar sich um seine Finger schlängeln, bald, daß es sich sanft um seinen Hals schlinge, und sich immer dichter zusammenzöge, bis er keinen Athem mehr holen konnte; bald dachte er, Stimmen flüsterten ihm zu, ein Geflüster, das ihn mit Grauen erfüllte. Dann schien es ihm, als sei er am Rande eines fürchterlichen Abgrundes, sich festhaltend und in Todesfurcht ringend, während schwarze Hände sich herausstreckten, um ihn hinabzuziehen; und Cassy kam lachend hinter ihn und stieß ihn hinunter. Und nun erhob sich jene feierlich verschleierte Gestalt und warf den Schleier zurück. Es war seine Mutter; und sie wendete sich von ihm ab, und er fiel hinab, hinab, hinab unter verworrenem Geschrei und Gestöhn und Jauchzen höllischen Gelächters — und Legree erwachte.

Ruhig stahl sich das rosige Licht der Morgendämmerung in das Zimmer. Der Morgenstern stand am heller werdenden Horizonte und schaute mit seinem feierlichen, heiligen Lichtauge auf den Mann der Sünde hernieder. O, mit welcher Frische, welcher Feierlichkeit und Schönheit wird jeder neue Tag geboren, als wolle er dem Unempfindlichen sagen: »Sieh! Du hast noch eine Möglichkeit! Kämpfe für unsterblichen Ruhm!« Es gibt keine Rede oder Sprache, in der diese Stimme nicht gehört wird; aber der freche, schlechte Mensch hörte sie nicht. Er erwachte mit einem Fluche. Was galt ihm das Gold und der Purpur, das tägliche Wunder des Morgens! Was die Heiligkeit jenes Sternes, welchen Gottes Sohn zu seinem eigenen Sinnbilde geweiht hat? Thierähnlich sah er, ohne wahrzunehmen; er stolperte vorwärts, schenkte ein Glas Branndwein ein und trank es halb.

»Ich habe eine höllische Nacht gehabt!« sagte er zu Cassy, welche eben dann durch eine gegenüber befindliche Thüre hereintrat.

»Ihr werdet bald mehr von der Art haben,« sagte sie trocken.

»Was willst Du damit sagen, Vettel?«

»Ihr werdet es dieser Tage erfahren,« erwiderte Cassy in demselben Tone. »Jetzt, Simon, habe ich Euch einen guten Rath zu geben.«

»Den Teufel hast Du!«

»Ich rathe Euch,« sagte Cassy gelassen, während sie Einiges im Zimmer zu ordnen begann, »daß Ihr Tom gehen laßt.«