Die Drohung entsprach dem Zwecke. Emmeline wurde nicht ohnmächtig, und es gelang ihr, sich mit Cassy in einen Theil des Sumpflabyrinths zu stürzen, welches so tief und dunkel war, daß Legree an ein Verfolgen derselben ohne Hülfe nicht denken konnte.
»Gut,« sagte er, indem er ein viehisches Gelächter aufschlug, »nun sind sie in der Falle — das Pack. Sie sind jetzt sicher genug; sollen mir dafür schwitzen.«
»Holla, da! Sambo! Quimbo! Kommt Alle her!« rief er, die Quartiere erreichend, als die Leute gerade von der Arbeit kamen. »Da sind zwei Ausreißer in den Sümpfen. Ich gebe dem Nigger, der sie fängt, fünf Dollar. Laßt die Hunde los. Laßt Tiger, Furie und alle andern los!«
Diese Nachricht brachte sogleich große Aufregung hervor. Viele sprangen eifrig herbei, um ihre Dienste anzubieten, entweder in der Hoffnung einer Belohnung oder aus jener kriechenden Bereitwilligkeit, welche eine der kläglichsten Wirkungen der Sklaverei ist. Einige rannten dahin, Andere dorthin. Einige suchten nach Kienfackeln; Andere ließen die Hunde los, deren heiseres, wildes Gebell nicht wenig zur Belebung der Scene beitrug.
»Herr, sollen wir auf sie schießen, wenn wir sie nicht fangen können?« sagte Sambo, dem sein Herr eine Büchse gebracht hatte.
»Du kannst auf Cassy feuern, wenn Du willst; es ist Zeit, daß sie zum Teufel geht, wohin sie gehört; aber nicht auf die Dirne,« sagte Legree. »Und nun, Jungen, seid hurtig und flink. Fünf Dollar für den, der sie fängt, und ein Glas Brandwein Jedem von Euch!«
Die ganze Bande begab sich nun, unter leuchtendem Fackelschein, mit Geschrei und Gebrüll, und wildem Getöse von Menschen und Thieren, hinab zum Sumpfe, während in einiger Entfernung alle übrigen Sklaven folgten. Das ganze Haus war folglich verlassen, als Cassy und Emmeline auf dem hintern Wege wieder hineinschlüpften. Das Schreien und Rufen ihrer Verfolger erfüllte noch die Luft: und Cassy und Emmeline konnten von den Fenstern des Wohnzimmers aus den Trupp sehen, wie er sich mit den Fackeln am Sumpfe vertheilte.
»Sieh da!« sagte Emmeline, indem sie Cassy drauf aufmerksam machte: »die Jagd hat angefangen! Sieh, wie diese Lichter umhertanzen! Horch! die Hunde! Hörst Du nicht? Wären wir dort, so wäre unser Spiel keinen Picayune werth. O, um Gottes Willen, wir wollen uns verstecken. Schnell!«
»Es hat keine Eile,« sagte Cassy kalt, »Alles ist auf der Jagd — das ist das Abendvergnügen! Wir gehen bald hinauf. Indessen,« sagte sie, indem sie bedächtig einen Schlüssel aus der Tasche eines Rockes nahm, den Legree in der Eile abgeworfen hatte, »inzwischen will ich etwas nehmen, um die Reisekosten zu decken.«
Sie schloß das Pult auf und nahm eine Rolle Anweisungen heraus, welche sie schnell überzählte.