»O, laßt uns das nicht thun!« sagte Emmeline.
»Nicht?« sagte Cassy, »warum nicht? Sollen wir in den Sümpfen verhungern, oder das nehmen, was unsere Reise in die freien Staaten bezahlen wird. Mit Geld richtet man Alles aus, Mädchen.« Und indem sie dies sagte, steckte sie das Geld in den Busen.
»Das ist Stehlen,« flüsterte Emmeline ängstlich.
»Stehlen!« sagte Cassy mit verächtlichem Gelächter. »Wer Leib und Seele stiehlt, braucht uns keine guten Lehren zu geben. Jede dieser Anweisungen ist gestohlen — gestohlen von armen, verhungerten, elenden Geschöpfen, die zuletzt zu seinem Besten zum Teufel gehen müssen. Laß ihn vom Stehlen sprechen! Aber komm', wir können nun ebenso gut auf die Bodenkammer gehen; ich habe da einen Vorrath von Lichtern und einige Bücher, um uns die Zeit zu vertreiben. Du kannst ganz ruhig sein, daß sie dahin nicht kommen, um uns zu suchen; und wenn sie's thun, so will ich ihnen den Geist spielen.«
Als Emmeline die Bodenkammer erreichte, fand sie daselbst eine ungeheure Kiste, in der früher irgend ein schweres Möbelstück hierher gebracht worden war, auf die Seite gelegt, so daß die Oeffnung gegen die Wand oder vielmehr das Dach gekehrt war. Cassy steckte eine kleine Lampe an, und beide krochen unter dem Dache herum und ließen sich in der Kiste nieder. Es befanden sich darin ein Paar kleine Matratzen und einige Kissen, und ein in der Nähe stehender Kasten enthielt einen reichlichen Vorrath von Lichtern, Lebensmitteln und allen zu ihrer Reise nöthigen Kleidungsstücken, welche Cassy in Bündelchen von erstaunlich kleinem Umfange gepackt hatte.
»Da,« sagte Cassy, als sie die Lampe an einen kleinen Haken hing, welchen sie zu dem Zwecke in die Seite der Kiste getrieben hatte; »dies soll für jetzt unsere Heimath sein. Wie gefällt sie Dir?«
»Seid Ihr gewiß, daß sie nicht kommen und die Dachstube durchsuchen?«
»Ich möchte Simon Legree das thun sehen,« sagte Cassy. »Nein, wahrhaftig; er ist zu froh, daß er wegbleiben kann. Was die Dienstboten anbetrifft, so würde Jeder von ihnen sich lieber todt schießen lassen, als sich hier zeigen.«
Etwas beruhigt ließ sich Emmeline auf ihre Kissen nieder.
»Was wolltet Ihr damit sagen, Cassy, daß Ihr mich umzubringen drohtet?« sagte sie arglos.