»Ich kann nichts sagen, Master,« sagte Tom mit langsamem, festem und bedächtigem Tone.
»Wagst Du, mir zu sagen, alter, schwarzer Christ, Du weißt es nicht?« sagte Legree.
Tom antwortete nicht.
»Rede!« donnerte Legree, indem er ihn wüthend schlug. »Weißt Du etwas davon?«
»Ich weiß was, Master, kann aber nichts sagen. Ich kann sterben!«
Legree holte tief Athem, nahm, seine Wuth unterdrückend, Tom beim Arme, zog dessen Gesicht dicht an das seinige heran, und sagte mit schrecklicher Stimme: »Höre, Tom — Du denkst, weil ich Dich früher losgelassen habe, 's ist nicht mein Ernst, was ich sage, aber diesmal bin ich entschlossen, ich habe die Kosten berechnet. Du hast Dich mir immer widersetzt — jetzt will ich Dich unterwerfen oder umbringen! Eins oder 's Andre. Ich will jeden Tropfen Blut in Dir zählen und einen nach dem andern abzapfen, bis Du nachgibst!«
Tom sah zu seinem Herrn auf und antwortete: »Herr, wenn Ihr krank wärt oder in Noth, oder am Tode, und ich könnte Euch retten, wollte ich Euch gern mein Herzblut geben; und wenn es Eure köstliche Seele retten könnte, daß Ihr jeden Blutstropfen nähmt, der in diesem armen, alten Leibe ist, so wollte ich ihn willig geben, wie der Herr sein Blut für mich gab. O, Master, ladet nicht diese große Sünde auf Euch! Es schadet Euch mehr als mir! Thut das Schlimmste, was Ihr könnt, meine Noth wird bald vorüber sein; aber wenn Ihr nicht bereut, wird Eure nie enden!«
Gleich einem Accorde himmlischer Musik, nachdem sich der Sturm gelegt hat, schuf dieser Ausbruch des Gefühls eine plötzliche Pause. Legree stand erstaunt da, und sah Tom an; es herrschte eine so tiefe Stille, daß man das Ticken der alten Uhr hören konnte, die mit stiller Berührung dem verhärteten Herzen die letzten Augenblicke der Gnade und Prüfung zumaß.
Es war nur ein Augenblick. Eine Pause des Zögerns, der Unentschlossenheit, des Widerstrebens, und der Geist des Bösen kehrte mit siebenfacher Heftigkeit zurück; und Legree, schäumend vor Wuth, schmetterte sein Opfer zu Boden.