Scenen von Blut und Grausamkeit sind verletzend für unser Ohr und unser Herz. Was der Mensch den Muth hat zu thun, hat er oft nicht den Muth zu hören. Was Mitmenschen und Mitchristen leiden müssen, lassen wir uns selbst nicht in unsrer geheimsten Kammer erzählen; so sehr zerreißt es unser Herz. Und doch, o! mein Vaterland! geschehen diese Dinge unterm Schatten deiner Gesetze! O, Christ! Deine Kirche sieht es fast schweigend!
Aber vor alten Zeiten war einer, dessen Leiden ein Marterwerkzeug, ein Werkzeug der Erniedrigung und Schande in ein Sinnbild des Ruhms und des unsterblichen Lebens verwandelte; und wo sein Geist ist, können weder erniedrigende Streiche, noch Blut, noch Hohn des Christen letzten Kampf anders als glorreich machen.
War er allein in jener langen Nacht, dessen edler, liebevoller Geist in jenem alten Schuppen nicht verzagte unter Stößen und viehischen Streichen?
Nein! Neben ihm stand Einer, nur von ihm gesehen, »gleich dem Sohne Gottes.«
Der Versucher stand auch neben ihm, verblendet durch seinen wüthenden, despotischen Willen, jeden Augenblick in ihn dringend, diesem Todeskampf durch den Verrath der Unschuldigen zu entgehen. Aber das brave treue Herz stand fest auf dem ewigen Felsen. Wie sein Meister wußte er, daß wenn er Andre rette, er sich selbst nicht retten könne; auch konnte die äußerste Gewaltmaßregel ihm keine anderen Worte abzwingen, als die des Gebetes und heiligen Vertrauens.
»Er ist fast hin, Master,« sagte Sambo, wider Willen von der Geduld seines Opfers gerührt.
»Ausgezahlt, bis er nachgibt! Gieb 's ihm, gieb 's ihm!« brüllte Legree. »Ich will ihm jeden Blutstropfen abzapfen, den er hat, wenn er nicht gesteht.«
Tom öffnete die Augen und sah seinen Herrn an. »Ihr armes, elendes Geschöpf!« sagte er; »es gibt nichts mehr für Euch zu thun! Ich vergebe Euch mit ganzem Herzen!« und er sank vollständig in Ohnmacht.
»Ich glaube meiner Seele, 's ist aus mit ihm,« sagte Legree, indem er herzutrat und ihn betrachtete. »Ja, 's ist aus! Nun, so ist ihm doch wenigstens der Mund gestopft — das ist ein Trost!«