Cassy's Gesundheit hatte sich bedeutend gebessert. Sie saß auf dem Verdeck, kam zu Tische, und wurde von Allen auf dem Boote für eine Dame gehalten, die sehr schön gewesen sein müsse.
Vom ersten Augenblicke an, wo Georg ihr Gesicht gewahrte, fiel ihm eine jener flüchtigen, und dunklen Aehnlichkeiten auf, die wohl fast jedem Menschen begegnet sind. Er konnte sich nicht enthalten, sie fortwährend anzusehen und zu beobachten. Sie mochte bei Tische, oder in der Thür ihrer Kajüte sitzen, immer begegnete sie den auf ihr ruhenden Augen des jungen Mannes, der seine Blicke jedoch sogleich abwandte, sobald er in ihrem Gesichte bemerkte, daß sie sich von ihm beobachtet fühlte.
Cassy wurde unruhig. Sie begann zu fürchten, daß er Verdacht geschöpft habe, und beschloß deshalb endlich, sich seinem Edelmuthe gänzlich anzuvertrauen, und theilte ihm ihre ganze Geschichte mit.
Georg war gern geneigt, für Jeden Sympathie zu empfinden, der von Legree's Plantage entflohen war, — einem Orte, an den er nicht ohne Aufregung denken konnte, — und er versprach ihr deshalb mit jener muthigen, seinem Alter eigenthümlichen Nichtbeachtung aller möglichen Folgen, daß er sie mit allen seinen Kräften unterstützen und durchbringen wolle.
Das nächste, an Cassy's Kajüte stoßende Gemach war von einer französischen Dame, Namens de Thoux, bewohnt, welche sich in Begleitung einer schönen, kleinen Tochter, einem Mädchen von ungefähr zwölf Jahren, befand. Diese Dame, welche aus Georg's Unterhaltung entnommen hatte, daß er aus Kentucky gebürtig war, schien offenbar geneigt, seine Bekanntschaft zu machen, worin sie durch die Anmuth ihrer kleinen Tochter unterstützt wurde, die ein so niedliches, kleines Spielwerk war, als nur je eins die Langeweile einer vierzehntägigen Fahrt auf dem Dampfboote vertrieb.
Georgs Stuhl befand sich oft an der Thür ihrer Kajüte, und Cassy konnte, wenn sie auf dem Verdecke saß, ihre Unterhaltung hören.
Madame de Thoux befragte ihn sehr umständlich über Kentucky, wo sie, wie sie sagte, in einer frühern Periode ihres Lebens gewohnt hatte; und Georg entdeckte zu seinem großen Erstaunen, daß ihr früherer Aufenthalt in der Nähe seiner eignen Besitzung gewesen sein müsse, denn ihre Fragen verriethen eine Bekanntschaft mit Leuten und Dingen in jener Gegend, die ihn förmlich in Verwundrung setzte.
»Kennen Sie,« sagte Madame de Thoux eines Tages, »einen Mann in Ihrer Nachbarschaft, der den Namen Harris führt?«