Zum Erstaunen Aller erschien er mit einem großen Bündel Papiere in der Hand, welche die Freilassungsscheine jedes Einzelnen enthielten, die er nach der Reihe vorlas, und sodann unter Thränen und Schluchzen aller Anwesenden aushändigte. Viele drängten sich um ihn und baten ihn flehend, mit ängstlichen Gesichtern, und indem sie ihre Freilassungsscheine zurückreichten, sie nicht fortzuschicken.

»Wir wollen nicht freier sein, als wir sind. Wir haben immer Alles gehabt, was wir brauchten. Wir wollen den alten Platz nicht verlassen, und Master und Missis und alles Uebrige.«

»Meine guten Freunde,« sagte Georg, sobald er sie zum Schweigen bringen konnte, »es ist durchaus nicht erforderlich, daß Ihr mich verlasset. Meine Besitzung braucht jetzt noch eben so viele Arbeiter, wie früher, und eben so mein Haus. Aber Ihr seid jetzt freie Männer und freie Weiber. Ich werde Euch Löhne für Eure Arbeit bezahlen, je nachdem wir übereinkommen. Der Vortheil für Euch besteht darin, daß, im Falle ich in Schulden gerathen, oder sterben sollte, Ihr nicht genommen und verkauft werden könnt. Ich beabsichtige, die Bewirthschaftung meiner Besitzung fortzusetzen, und Euch zu lehren, was Euch vielleicht einige Zeit zu lernen kosten wird, — nämlich, auf welche Weise Ihr von den Rechten Gebrauch zu machen habt, die ich Euch als freien Menschen gebe. Ich erwarte, daß Ihr gut sein und willig lernen werdet, und hoffe zu Gott, daß ich gegen Euch treu und willig zu lehren sein werde. Und nun, meine Freunde, blicket empor und danket Gott für den Segen der Freiheit!«

Ein alter Neger-Patriarch, der auf der Besitzung grau und blind geworden war, stand jetzt auf, hob seine zitternden Hände empor, und sagte: »Laßt uns dem Herrn danken!«

Als Alle niedergekniet waren, stieg aus der Tiefe dieses alten, ehrlichen Herzens ein Te Deum zum Himmel, wie es selbst beim Klange der Orgel, der Glocken und Kanonen nie feierlicher gehört werden konnte.

Als Alle sich erhoben hatten, stimmte ein Anderer eine methodistische Hymne an, deren Schlußvers war:

»Das Jubeljahr ist jetzt gekommen,
Kehrt Ihr, befreite Sünder, heim.«

»Noch Eins,« sagte Georg, indem er die Gratulationen der Menge unterbrach. — »Ihr alle erinnert Euch unseres guten, alten Onkel Tom?«

Hierauf gab Georg eine kurze Schilderung seiner Sterbescene, und erwähnte des liebevollen Abschieds, den er ihm an Alle aufgetragen hatte, und fügte hinzu:

»An seinem Grabe, meine Freunde, gelobte ich vor Gott, nie wieder einen Sklaven zu besitzen, wenn es in meiner Macht stehe, ihn in Freiheit zu setzen, um nie Jemanden durch mich der Gefahr auszusetzen, von seiner Heimath und seinen Freunden losgerissen zu werden und auf einer einsamen Plantage sterben zu müssen, wie er starb. So oft Ihr Euch also Eurer Freiheit freut, so denkt daran, daß Ihr sie jener alten, guten Seele verdankt, und zeigt Euch durch Liebe gegen seine Frau und Kinder dafür erkenntlich. Gedenkt Eurer Freiheit, so oft Ihr Onkel Tom's Hütte seht, und laßt sie Euch daran erinnern, seinen Fußtapfen zu folgen, und so redlich, so treu, so christlich zu sein, wie er war.«