Einundzwanzigstes Kapitel.
Kentucky.

Unsere Leser sind vielleicht nicht abgeneigt, einen kurzen Rückblick auf Onkel Toms Hütte zu thun, um zu sehen, was unter denen, die er zurückgelassen hat, vorgeht.

Es war spät an einem Sommer-Nachmittage, und die Thüren und Fenster des großen Wohnzimmers in Mr. Shelby's Haus waren alle geöffnet, um jedes frische Lüftchen, das dazu geneigt war, hereinzulassen. Mr. Shelby saß in einer großen Halle, welche mit diesem Zimmer in Verbindung stand, und durch das ganze Haus zu einem am andern Ende befindlichen Balkon lief. Nachlässig in seinen Stuhl zurückgelegt, und seine Füße auf einem andern wiegend, rauchte er seine Nachmittags-Cigarre. Mrs. Shelby saß in der Thür, mit feiner Näherei beschäftigt, und schien etwas auf dem Herzen zu haben, zu dessen Vorbringen sie eine Gelegenheit suchte.

»Hast Du gehört,« sagte sie, »daß Chloë einen Brief von Tom erhalten hat?«

»Wirklich? Tom scheint dort einen Freund zu haben. Was macht der alte Junge?«

»Er muß von einer sehr anständigen Familie gekauft worden sein, sollte ich denken,« sagte Mrs. Shelby, — »er hat sehr gute Behandlung, und nicht viel zu thun.«

»So! nun das freut mich, — wahrlich,« sagte Mr. Shelby mit Herzlichkeit. »Ich hoffe, Tom wird sich an eine südliche Residenz gewöhnen, — und kaum wünschen, hieher zurückzukehren.«

»Im Gegentheil, er fragt mit großer Aengstlichkeit danach, wann das Geld für seine Wiedereinlösung werde aufgebracht werden können.«

»Ich weiß es nicht,« sagte Mr. Shelby. »Wenn die Geschäfte einmal angefangen, schief zu gehen, so hörts nicht wieder auf. Es ist gerade wie durch einen Sumpf von einer trockenen Stelle auf die andere springen; hier borgen und dort bezahlen, und dann wieder borgen, um den Letzten zu bezahlen; — und diese verdammten Wechsel laufen immer ab, ehe ein Mensch Zeit hat, eine Cigarre zu rauchen und sich umzudrehen, — nichts als Mahnbriefe und Drängen und Treiben.«

»Ich sollte denken, mein Lieber, es könnte so Manches geschehen, um unsere Angelegenheiten zu ordnen. Wenn wir zum Beispiel alle unsere Pferde und eine Farm verkauften, um Alles abzuzahlen?«