»O lächerlich, Emilie! Du bist die gescheiteste Frau in Kentucky, aber hast doch nicht Einsicht genug zu sehen, daß Du von Geschäften nichts verstehst; — Weiber verstehen und können davon nie etwas verstehen.«
»Aber könntest Du mich denn nicht wenigstens einen Blick in Deine Verhältnisse thun lassen? mich ein Verzeichniß aller Deiner Schulden und Forderungen sehen, und mich versuchen lassen, ob ich Dir keinen Rath zu ökonomischen Maßregeln geben könnte?«
»O Thorheit! quäle mich nicht, Emilie! — das kann ich nicht. Ich weiß recht wohl, wie meine Sachen stehen, und die lassen sich nicht kneten und drücken und in jede mögliche Form bringen, wie Chloë es mit ihren Pasteten macht. Du verstehst einmal nichts von Geschäften, wie ich Dir schon gesagt habe.«
Da Mr. Shelby keine besseren Gründe anzuführen hatte, so erhob er bei diesen Worten seine Stimme, — eine Art und Weise, die für einen Mann, der mit seiner Frau über Geschäftssachen spricht, sehr bequem und sehr überzeugend ist.
Mrs. Shelby schwieg mit einem Seufzer. Es war außer Zweifel, daß sie, obgleich ein Weib, dennoch einen klaren, energischen, praktischen Verstand hatte, und eine Charakterstärke besaß, die der ihres Gatten bei weitem überlegen war; so daß es keineswegs so sehr abgeschmackt gewesen sein würde, wie Mr. Shelby dachte, sie Theil an den Geschäften nehmen zu lassen.
»Glaubst Du nicht, daß wir auf eine oder die andere Weise Geld aufbringen könnten? Die arme Chloë, sie rechnet so sehr darauf.«
»Das thut mir leid. Ich glaube, ich war etwas zu voreilig mit meinem Versprechen. Ich weiß nicht, ich denke, es ist am Ende der beste Weg, es Chloë geradezu zu sagen, damit sie sich darein findet. Tom wird in ein oder zwei Jahren eine andere Frau haben, und sie thäte am besten, zu einem andern Mann zu gehen.«
»Mr. Shelby, ich habe meinen Leuten gelehrt, daß ihre ehelichen Verbindungen so heilig wie die unsrigen seien. Ich würde mich nie dazu verstehen können, Chloë solchen Rath zu geben.«