»Es ist ein Unglück, Frau, daß Du diese Leute mit der Last einer Moralität beschwert hast, die weit über ihre Verhältnisse und ihre Aussichten hinausgeht. Ich habe immer so gedacht.«
»Es ist nur die Lehre der Bibel,« entgegnete Mrs. Shelby.
»Gut, gut, Emilie, ich will mich in Deine religiösen Ansichten nicht mischen; nur scheinen sie mir für Leute in solchen Verhältnissen durchaus nicht geeignet zu sein.«
»Leider sind sie es nicht,« sagte Mrs. Shelby, »und das ist der Grund, weshalb ich das Sklavenwesen hasse. Ich sage Dir, mein Lieber, ich kann mich von den Versprechungen nicht lossagen, die ich diesen hülflosen Geschöpfen gemacht habe. Wenn ich das Geld in keiner andern Weise aufbringen kann, so will ich Musikunterricht geben. Ich weiß, daß ich Beschäftigung genug bekommen und das Geld bald verdienen würde.«
»Wie, Emilie, Du würdest Dich doch nicht auf diese Weise herabwürdigen wollen? Ich könnte nie meine Einwilligung dazu geben.«
»Herabwürdigen! würde es mich so herabwürdigen, wie wenn ich das Versprechen bräche, was ich Hülflosen gegeben habe? Nein, gewiß nicht!«
»Du bist heroisch und überspannt,« sagte Mr. Shelby; »aber ich dächte, Du thätest wohl, die Sache noch einmal zu überlegen, ehe Du solchen abenteuerlichen Streich unternimmst.«
Hier wurde die Unterhaltung durch die Erscheinung Chloë's am Ende der Veranda unterbrochen.
»Wenn's Ihnen gefällig wäre, Missis,« sagte sie.
»Nun, Chloë, was gibt's?« sagte ihre Mistreß aufstehend und nach dem Ende des Balkones gehend.