»Wenn Missis hier das Geflügel ansehen wollte,« sagte Chloë mit einer Miene ernster Betrachtung, während sie auf einen Haufen Hühner und Enten deutete, bei dem sie stand; »ich dachte, ob Missis vielleicht eine Hühnerpastete haben wollte von diesen da.«
»Das ist mir gleich, Chloë, — richte sie nur zu, wie Du willst,« entgegnete Mrs. Shelby.
Chloë blieb gedankenvoll stehen, während sie das Geflügel einzeln durch ihre Hände gehen ließ; allein es war leicht erkennbar, daß die Hühner nicht der Gegenstand ihrer Gedanken waren. Endlich begann sie mit einem kurzen Lachen, mit dem ihr Geschlecht häufig etwas zweifelhafte Vorschläge einzuleiten pflegt:
»Mein Gott, Missis, warum sollen Master und Missis sich quälen um das Geld und nicht gebrauchen das Recht, was ihnen zukommt?« sagte Chloë von Neuem lachend.
»Ich verstehe Dich nicht, Chloë,« entgegnete Mrs. Shelby, die Chloë's Weise kannte, und deßhalb nicht im Geringsten bezweifelte, daß sie jedes Wort der zwischen ihr und ihrem Ehemanne so eben Statt gehabten Unterhaltung gehört habe.
»O Missis!« sagte Chloë wieder lachend, »andere Leute miethen ihre Nigger aus, und lassen sie Geld verdienen: halten nicht solche Bande, die sie aus Haus und Hof ißt.«
»Wohl, Chloë, wen meinst Du denn, daß ich ausmiethen solle?«
»O, ich meine gar nichts, — nur Sam sagte mir, daß da einer von den Conditorn wäre, in Louisville, der 'ne geschickte Hand für Kuchen und Pasteten brauchte, und der vier Dollars die Woche geben wollte, — sagte er.«
»Nun, Chloë?«
»Ja, so dachte ich, Missis, 's wäre Zeit, daß Sally endlich anfinge, 'was zu thun. Sally ist unter mir gewesen diese ganze Zeit, und kann Alles beinahe eben so gut machen wie ich; und wenn Missis mich wollte gehen lassen, so könnt' ich helfen das Geld verdienen. Fürchte mich gar nicht, meine Kuchen und meine Pasteten neben alle die von 'nem Conditor zu stellen.«