Zwanzigstes Kapitel.
Topsy.

Eines Morgens, als Miß Ophelia in ihren häuslichen Sorgen geschäftig war, wurde St. Clare's Stimme am Fuße der Treppe gehört, der nach ihr rief.

»Komm herunter, Cousine, ich habe Dir etwas zu zeigen!«

»Was ist es denn?« fragte Ophelia, mit ihrem Nähzeuge in der Hand herabkommend.

»Ich habe hier etwas für Dein Departement angekauft, — sieh' hier!« sagte St. Clare, indem er ein kleines Negermädchen von acht bis neun Jahren hervorzog.

Sie war eine der Schwärzesten ihrer Race, und ihre runden, wie Glasperlen glänzenden Augen flogen mit unstäten, ruhelosen Blicken über alle im Zimmer befindlichen Gegenstände. Ihr Mund, der vor Erstaunen über die Wunder im Wohnzimmer ihres Herrn halb geöffnet war, ließ zwei Reihen glänzend weißer Zähne sehen. Ihr wolliges Haar war in verschiedene Zöpfe geflochten, die nach allen Richtungen hin starrten. Der Ausdruck ihres Gesichts enthielt eine sonderbare Mischung von Muthwillen und Schlauheit, über die, wie ein Schleier, die Miene eines schmerzlichen Ernstes hing. Sie trug ein einziges, schmutziges, zerlumptes Kleid aus Sackleinwand, und stand mit ernsthaft gefalteten Händen vor Ophelien. In ihrer ganzen Erscheinung lag etwas so Sonderbares, Koboldartiges, — etwas, wie Miß Ophelia später versicherte, so »Heidnisches,« daß diese gute Dame einen wahren Schrecken vor ihr empfand. Indem sie sich zu St. Clare umwandte, sagte sie:

»Augustin, wozu in aller Welt hast Du denn das Ding hierher gebracht?«

»Damit Du es erziehen sollst, kein Zweifel, und es auf den rechten Weg bringen. Ich dachte, es wäre ein possierliches Exemplar im Jim-Crow-Geschlechte. Hier, Topsy,« fügte er mit einem Pfiff hinzu, so wie man die Aufmerksamkeit eines Hundes zu erregen pflegt, — »laß uns einen Gesang hören, und zeige uns etwas von Deinen Tanzkünsten.«

Die schwarzen gläsernen Augen begannen von einer Art boshaften Muthwillens zu glänzen, und das kleine Wesen begann mit einer klaren, gellenden Stimme eine jener sonderbaren Neger-Melodien, nach der sich ihre Hände und Füße im Takte bewegten, während sie sich im Kreise herum drehte, mit den Händen und Knien zusammenschlug, und jene sonderbaren Kehllaute hören ließ, die der heimathlichen Gesangsweise ihres Geschlechtes eigentümlich sind; und endlich zwei oder drei Sprünge in die Luft machend, kam sie mit einem gedehnten Schlußtone, der so unirdisch klang wie die Pfeife einer Locomotive, auf den Teppich nieder, und stand dann wieder mit gefalteten Händen da, und dem Ausdrucke scheinheiliger Sanftmuth und Feierlichkeit im Gesichte, der nur durch die listigen Blicke unterbrochen wurde, die sie in schräger Richtung aus ihren Augenwinkeln umherschoß.

Miß Ophelia stand stumm und wie vom Schlage getroffen vor Erstaunen.