Die trügerische Kraft, welche Eva eine kurze Zeit lang aufrecht erhalten hatte, schwand schnell. Seltener und immer seltener wurde ihr leichter Fußtritt in der Veranda gehört, und öfter und immer öfter wurde sie auf ihren Strohsitzen am offenen Fenster liegend gefunden, während ihre großen, tiefen Augen die steigenden und sinkenden Wellen des See's beobachteten.
Es war eines Nachmittags, während sie sich gerade in einer ähnlichen Stellung befand, und ihre durchsichtigen kleinen Finger zwischen den Blättern der halbgeöffneten Bibel lagen, als sie plötzlich die Stimme ihrer Mutter in scharfen Lauten in der Veranda hörte.
»Was ist dies, Du Nickel? — Was ist das für ein neuer Streich? Du hast hier Blumen abgepflückt, he?« und Eva hörte den Schall eines kräftigen Schlages.
»O Missis, — sie sind für Miß Eva,« hörte sie eine Stimme sagen, welche sie als Topsy's erkannte.
»Miß Eva! eine hübsche Entschuldigung! — Du meinst, sie brauche Deine Blumen, Du nichtsnützige Nigger! Fort mit Dir!«
Im Augenblicke war Eva von ihrem Sitze auf und in der Veranda.
»O nein, Mutter! ich möchte diese Blumen gern haben; bitte, gieb sie mir, — ich brauche sie.«
»Wie, Eva? Dein Zimmer ist ja ganz voll von Blumen.«
»Ich kann nicht zu viele haben,« entgegnete Eva. »Topsy, komm, bringe sie mir.«
Topsy, die mürrisch und mit gesenktem Kopfe dagestanden hatte, kam jetzt näher und übergab ihre Blumen. Sie that es mit scheuer, zaudernder Miene, die sehr verschieden von ihrer gewöhnlichen Kühnheit und Keckheit war.