»Wohl, das mag sein. Ich glaube, Gott hat alle Menschen geschaffen,« erwiederte Marie. »Wo ist mein Riechfläschchen?«

»Es ist solch' ein Jammer, — o! solch' ein Jammer!« sagte Eva, auf den fernen See blickend, und halb zu sich selbst redend.

»Was ist ein Jammer?« fragte Marie.

»Daß ein Wesen, welches ein Engel werden und mit Engeln leben könnte, ganz hinab, hinab, hinab gehen soll, ohne daß ihm Jemand hilft! — o, lieber Gott!«

»Wohl, wir können's nicht ändern, Eva; es nützt nichts, sich darum zu grämen! Ich weiß nicht, was zu thun ist. Wir müssen nur dankbar sein für die Vortheile, die wir genießen.«

»Ich kann es kaum sein,« sagte Eva. »Ich bin so traurig, wenn ich an arme Leute denke, die gar keine Vortheile genießen.«

»Das ist sonderbar genug,« sagte Marie; — »meine Religion macht mich dankbar für meine Vorzüge.«

»Mamma,« sagte Eva plötzlich, »ich möchte gern etwas von meinem Haar abschneiden lassen, — recht viel.«

»Wozu?« fragte Marie.

»Ich wollte es an meine Freunde geben, so lange ich noch im Stande bin, es selbst zu thun. Willst Du nicht die Tante bitten, daß sie komme und es für mich abschneide?«