»Weshalb fragst Du mich?«
»Ich weiß nicht. Du bist so gut, Du mußt es sein.«
»Was heißt das, ein Christ sein, Eva?«
»Christus über Alles lieben,« entgegnete Eva.
»Thust Du das, Eva?«
»Gewiß thue ich das.«
»Du sahst ihn aber nie,« sagte St. Clare.
»Das macht keinen Unterschied,« erwiederte Eva. »Ich glaube an ihn und in wenigen Tagen werde ich ihn sehen.« Und bei diesen Worten begann das jugendliche Gesicht vor Freude zu strahlen.
St. Clare antwortete nicht mehr. Es war ein Gefühl, welches er oft an seiner Mutter wahrgenommen hatte, aber wofür keine gleichgestimmte Saite in seinem Innern vibrirte.
Von dieser Zeit ab wurde Eva zusehends schwächer. Es konnte kein Zweifel mehr über den Ausgang herrschen und selbst die kühnste Hoffnung konnte sich nicht mehr täuschen. Ihr schönes Zimmer war ein vollständiges Krankenzimmer geworden; und Miß Ophelia verrichtete Tag und Nacht die Geschäfte einer Wärterin, — und nie hatten ihre Freunde Gelegenheit, ihren Werth mehr zu erkennen als in dieser Eigenschaft. Mit so geübter Hand und richtigem Auge, mit so vollkommener Gewandtheit in der Kunst, Reinlichkeit und Behaglichkeit für die Kranke zu befördern, — mit so genauer Berechnung der Zeit, mit so klarem ruhigem Kopfe, und so gewissenhafter Beachtung jeder Vorschrift des Arztes, war sie ihm Alles. Diejenigen, welche über ihre kleinen Eigenthümlichkeiten, die von der Freiheit der südlichen Sitten so sehr abwichen, die Achsel zuckten, mußten anerkennen, daß sie in ihrem gegenwärtigen Verhältniß gerade die passende Person sei.