Onkel Tom hielt sich viel in Eva's Zimmer auf. Das Kind litt viel an Ruhelosigkeit, und es gewährte ihm große Erleichterung, getragen zu werden. Für Tom war es daher die größte Freude, die kleine zarte Gestalt auf seinen Armen, auf einem Kissen ruhend, bald im Zimmer auf und ab, bald in der Veranda umherzutragen; und wenn die frische Seeluft vom See her wehte, und Eva sich am Morgen wohler fühlte, so pflegte er unter den Orangenbäumen des Gartens mit ihr umher zu wandeln, oder sich auf einen ihrer alten Sitze niederzulassen und ihr ihre Lieblingshymnen vorzusingen.
Ihr Vater that öfters dasselbe; aber sein Körper war weniger kräftig, und wenn er müde war, pflegte Eva zu ihm zu sagen:
»O Papa, laß Tom mich tragen. Der arme Mensch, — er thut es so gern; Du weißt, es ist Alles, was er thun kann, und er möchte gern Etwas thun!«
»Dasselbe ist mit mir der Fall, Eva!« sagte der Vater.
»O Papa, Du kannst Alles thun, und bist mir Alles. Du liesest mir vor, — Du wachst bei mir des Nachts — und Tom hat nur dieses Eine und sein Singen; und dann weiß ich auch, daß es ihm leichter wird als Dir. Er trägt mich so fest und sicher!«
Der Wunsch, Etwas für Eva zu thun, beschränkte sich nicht auf Tom. Jeder Dienstbote des Hauses verrieth dasselbe Gefühl und that nach seiner Weise und seinen Kräften, was er konnte.
Die arme Mammy sehnte sich nach dem Lieblinge, aber fand weder bei Tage noch bei Nacht Gelegenheit, da Marie erklärte, daß ihr Geisteszustand ihr keine Ruhe lasse, weshalb es natürlich gegen ihre Grundsätze war, irgend einem Andern Ruhe zu lassen. Zwanzigmal in der Nacht wurde Mammy gerufen, um ihre Füße zu reiben, ihren Kopf zu waschen, ihr Taschentuch zu suchen, oder nachzufragen, was das Geräusch in Eva's Zimmer zu bedeuten habe, die Fenstervorhänge herunterzulassen, weil es zu hell sei, oder hinaufzuziehen, weil es zu dunkel sei; und bei Tage, wenn sie sich danach sehnte, an der Wartung ihres Lieblings Theil zu nehmen, schien Marie ganz besonders erfinderisch zu sein, um sie überall im Hause oder um ihre Person zu beschäftigen, so daß sie nichts als kurze Blicke oder verstohlene Besuche erlangen konnte.
»Ich halte es für meine Pflicht, jetzt besonders sorgsam für mich zu sein,« pflegte sie zu sagen, — »schwach wie ich bin, und mit der ganzen Sorge der Wartung und Pflege des lieben Kindes auf mir.«
»In der That, meine Liebe?« antwortete St. Clare. »Ich dachte, unsere Cousine Ophelia nähme Dir diese Sorge ab.«
»Du sprichst wie ein Mann, St. Clare, — als ob eine Mutter sich die Sorge um ein Kind in einem solchen Zustande abnehmen lassen könnte. Aber es ist Alles gleich, — Niemand weiß, was ich fühle! Ich kann die Sachen nicht so leicht nehmen.«