St. Clare lächelte. Du mußt ihn entschuldigen, lieber Leser, er konnte nicht anders, — St. Clare konnte noch lächeln; denn so hell und ruhig war die Abschiedsfahrt des kleinen Geistes, — von so sanften, balsamischen Lüften wurde der kleine Nachen den himmlischen Ufern zugetrieben, daß es unmöglich war, zu erkennen, daß es der Tod sei, der sich nahe. Das Kind empfand keinen Schmerz, — nur eine ruhige, sanfte Schwäche, die täglich und fast unmerklich zunahm; und so schön, so liebreich, so vertrauensvoll, so glücklich war es dabei, daß Niemand dem besänftigenden Einflusse der Unschuld und Friede athmenden Luft widerstehen konnte, welche das Kind zu umgeben schien. Auch St. Clare fühlte eine sonderbare Ruhe auf sich niedersinken. Es war nicht Hoffnung, — die war unmöglich; es war nicht Resignation; es war nur ein ruhiges Weilen in der Gegenwart, die so schön erschien, daß er nicht an die Zukunft denken mochte.

Der Freund, welcher am meisten von Eva's Vorstellungen und Ahnungen wußte, war ihr treuer Träger, Tom. Ihm theilte sie mit, womit sie ihren Vater nicht beunruhigen wollte. Ihm vertraute sie jene geheimnisvollen Vorgefühle, welche die Seele empfindet, wenn ihre Saiten sich zu lösen beginnen und sie ihre irdische Hülle verlassen will.

Tom wollte endlich nicht mehr in seinem Zimmer schlafen, sondern lag jede Nacht in der äußeren Veranda, bereit für jeden Ruf.

»Onkel Tom,« sagte Miß Ophelia, »was in der Welt ist Dir eingefallen, daß Du überall liegst und schläfst wie ein Hund. Ich dachte, Du wärest ein ordentlicher Mensch, der gewohnt wäre, in christlicher Weise in einem Bette zu schlafen.«

»Das bin ich, Miß Feely,« sagte Tom geheimnißvoll. »Das bin ich, aber jetzt —«

»Nun, was jetzt?«

»Wir müssen nicht so laut sprechen, — Master St. Clare will nichts davon hören; aber, Miß Feely, Sie wissen, es muß Einer auf den Bräutigam warten.«

»Was meinst Du, Tom?«

»Sie wissen, es heißt in der Schrift: »Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: siehe, der Bräutigam kommt.« Das ist's, was ich jetzt erwarte, Miß Feely, — und ich konnte nicht schlafen, wo ich nicht höre.«

»Wie, Onkel Tom, wie kommst Du auf diesen Gedanken?«