„Mondsichel steige,

Belade die Zweige

Mit quellender Frucht.

Wenn du rundest dich wieder,

So falle hernieder

Der silberne Tau

Auf die blühende Au.

Bis im Dunkeln du ruhst,

Behüte den Blust.“

Im Dorfe gärte es immer mehr, und die Gertrud triumphierte immer bescheidener. Der Pfarrer, dem die gute, bequeme Pfründe ans Herz gewachsen war, wetterte gelegentlich von der Kanzel, aber wenn er seinem Zorn wieder Luft gemacht hatte, dann ließ er seine rebellische Gemeinde laufen, wie sie wollte. Aber der Pfarrköchin, der Fräulein Martha, der brach’s schier das Herz, daß ihr Herr so wenig Macht und Ansehen mehr hatte; man kam ja kaum mehr zu ihr ins Pfarrhaus um Rat und Hilfe zu bitten, was hatte sie denn jetzt von ihrem Pfarrköchinnentum. Jede simple Bauersfrau hatte genau soviel Einfluß wie sie, und da war nur diese gottlose Schwäche ihres Herrn daran schuld. Das wollte ein Diener der heiligen Kirche sein! Sie, die einfache, bescheidene Pfarrköchin, sie wußte besser, was der liebe Gott und die heilige Kirche verlangten. Nicht umsonst sollte sie der Bischof bei der heiligen Firmelung zum Streiter Gottes geweiht haben; wenn ihr Herr das vergessen konnte, dann mußte sie eben kämpfen. Das war sie unserer lieben Mutter, der Kirche schuldig. Soviel war ihr in diesen Wochen der Vernachlässigung klar geworden. Nun hieß es zunächst, unauffällig sich dem Feinde nähern und dessen Position kennen lernen. Dann würde ein Feldzugsplan ihr schon klar werden. Sie wollte sich krank stellen und scheinbar um Hilfe bitten; irgend eine Blöße, wo sie angreifen konnte, würde die Gertrud ihr dann schon bieten.