Das verstand Großmutter nicht.
„Du warst ja immer ein bißchen anders als andere Leute, Maria; aber nun erzähl’ weiter. Also die Lehrer legten ihm die Antwort beim Examen in den Mund! Das finde ich famos! Wie ging es denn mit der Mathematik?“
„Die haben sie ihm geschenkt, weil er darin immer besonders gut war. Übrigens hat er mir das gar nicht so ausführlich erzählt. Was ihnen allen imponierte, war, daß die Töchter des Schuldirektors ihnen Tee und Kuchen servierten, und daß alle Lehrer sich mit ihnen unterhielten, als seien sie völlig gleichgestellt. Zu Ernst hat einer gesagt: ‚Mensch, wenn Sie nicht trotz allem und allem das werden, was ich von Ihnen erwarte, dann pfeife ich auf alle meine Menschenkenntnis.‘“
„So, was erwartet er denn von ihm?“ fragte die Großmutter.
„Du weißt doch, sie nannten ihn den Philosophen, weil er so gerne über alles mögliche nachgrübelt!“
„Ja, das muß ich gestehen, das ist’s, Maria, was mir am allermeisten mißfallen hat. Kein Schneid! Nenne mir einen Philosophen in der Welt, der das ergründet hat, was uns nun einmal verborgen bleiben soll! Gibt’s nicht! Und ich will dir sagen: Zwei- oder dreimal in meinem Leben habe ich in solche Bücher hereingeschaut und hab’ sie mit Abscheu wieder zugeschlagen. ‚Esel sind diese Kerle‘ habe ich mir gesagt. Wollen anderen Menschen weismachen, daß sie mehr wissen als sie, und führen einen nur irre und nehmen einem die Freude am Dasein. Nein, ich sehe es als eine Fügung Gottes an, daß der Junge nun doch Soldat werden muß. Wenn er dann nebenbei das Philosophieren nicht lassen kann, à la bonne heure — aber nicht als Beruf, nicht als Broterwerb!“
„Man kann über so etwas nicht verfügen, Großmutter. Ich glaube, jeder Mensch muß doch einmal das werden, was in seiner Natur begründet liegt.“
Die Großmutter zuckte die Achseln. „Das sind die heutigen Ansichten. Am besten, man steckt einen Buben mit elf Jahren ins Kadettenkorps, dann lernt er nichts anderes kennen. Wie lange hat denn nun diese Abitursache an jenem Abend gedauert?“
„Um zehn Uhr kam er zurück — gleich mit der Bescheinigung in der Tasche. Er hatte sich großartig ein Auto genommen und blieb nur eine Viertelstunde. Sie hatten sich zu einem Kneipabend verabredet.“
„So so!“ antwortete die Großmutter, und Maria würgte an irgend etwas.