Die Mutter blickt ihm nach; jetzt ist er wieder das, was sie noch nicht begreifen kann! Es ist ihr wieder, als sei das gar nicht ihr Junge, als sei die ganze Welt, so wie sie jetzt ist, eine Unwahrscheinlichkeit, ein Traum. Wenn man aus diesem schweren Schlaf erwacht, wird die alte Wirklichkeit wieder da sein.

In Gedanken verloren betritt sie das Haus, das der Junge ihr gezeigt hat, geht durch einen schmalen Steinflur, eine graue Steintreppe hinauf und wird von einem kleinen, zotteligen, grauweißen Köter heftig angebellt.

„Mirza,“ ruft eine Frauenstimme, „Mirza, bist du denn ganz des Teufels!“ Eine Frau tritt aus einer der braungestrichenen Türen, die in den kleinen Flur münden, heraus. Sie sieht die fremde Dame erstaunt an, und die fragt fast schüchtern, ob es richtig sei, daß hier Zimmer vermietet würden.

Die Frau antwortet nicht gleich, und aus der Tür tritt eine zweite weibliche Person — nach der Ähnlichkeit zu urteilen, die Tochter. Aber sie ist schlank und von angenehmem Äußeren.

„Zu gewöhnlichen Zeiten vermieten wir an Einjährige!“ sagt die Frau. „Aber jetzt ist ja alles auf den Kopf gestellt. Für wen suchen Sie denn Wohnung?“

„Ich möchte selbst ein paar Tage hier draußen wohnen. Mein Junge ist drüben in der Kaserne.“

„Ein paar Tage?“ Die Frau denkt nach. „Für ein paar Tage, das lohnt ja gar nicht, was soll ich Ihnen da berechnen?“

„Es kann ja auch etwas länger werden. Sagen wir, ich bezahle Ihnen für vierzehn Tage, ist Ihnen das recht?“

Die Tochter ist rot geworden.