Um fünf Uhr ist er wieder bei ihr und hat den belebten Zug im Gesicht, der ihm zu eigen ist, wenn er etwas Gutes zu künden hat.
„In acht Tagen müssen wir den Fahneneid leisten. Dazu kommen viele Eltern angereist, und weil du doch sagtest, daß du gern bleiben möchtest, habe ich einen Plan!“
Es war seltsam, wie sehr sie in der kurzen Zeit der Ereignisse ihre Rollen getauscht hatten. Bisher war sie es gewesen, die ihm mit irgendeinem Vorschlag eine Freude zu bereiten pflegte; heute lag es in seiner Hand, sie froh oder traurig zu machen.
„Nämlich den Plan, Mutter, daß du vielleicht doch bleiben könntest. Es hat nur keinen Zweck, daß du so weit von der Kaserne entfernt wohnst. Hipp hat gesagt, gleich gegenüber bei uns vermieten ein paar Frauen an Einjährige, und die hätten ihre Zimmer jetzt leerstehen.“
Er hat wenig Zeit, er will einen schnellen Entschluß.
„Wenn du also willst, kannst du da wohnen.“
Sie begreift das nicht so schnell, aber er drängt.
„Es soll wirklich ganz nett da sein, also komm! Ich hab’ nicht viel Zeit!“
Dann gehen sie durchs Tor heraus die lange Straße hin, die zur Kaserne führt, und Ernst erzählt, mit welchen Gefühlen er diesen Weg zum erstenmal gegangen ist. Und wie er sich diese Angst von damals zurückruft, fühlt er wieder Stolz und Freude über das, was bis jetzt schon gewonnen ist, in sich aufsteigen.
Kurz vor der Kaserne verabschiedet er sich von der Mutter, zeigt ihr das Haus, in dem die Wohnungen zu haben sein sollen, macht vor einem Vorgesetzten Front und biegt schlank und elastisch am Posten vorbei ins Kasernentor ein.