„Ein’ feste Burg ist unser Gott!“ Ein vielgesungenes Lied in dieser Zeit. Man braucht das alte Lutherlied jetzt nötiger als sonst. Man versteht erst jetzt eigentlich so ganz den tiefen Sinn. Mächtig rauscht der Chor durch die Kirche; ergreifend für die, die in den Seitenschiffen sitzen, die in so enger Beziehung zu den jungen Sängern stehen.

„Und wenn die Welt voll Teufel wär’!“ — Es ist herrlich, mit welcher Kraft sie das herausstoßen! Die Welt ist voller Teufel — aber wenn man diesen Gesang hört, hat man keine Angst vor ihnen.

Frau Hiller kann den Blick nicht von der hohen, reinen Stirn ihres Jungen loslösen. Er ist jetzt ganz der Sache hingegeben, denkt nicht mehr an die Mutter.

Der Geistliche ist vor den Altar getreten und spricht ein Gebet. Die Husaren stehen mit geneigten Köpfen; der Regen schlägt an die hohen Fenster, und ein rauher Wind heult um die Ecken der Kirche. Die Orgel setzt wieder ein; das Singen übertönt das Unwetter, das draußen tobt, und der Pfarrer steigt auf die Kanzel.

„Liebe junge Freunde!“ sagt er. „In anderen Jahren, wenn es galt, den Eid der Treue an dieser Stätte zu leisten, geschah es bei aufgerollter Fahne. Heute ist unsere Fahne in Feindesland — heute gilt es einen Eid zu leisten, der sogleich in allen Punkten Erfüllung heischen wird!“

Die Worte klingen schwer und wuchtig und werden von den Wänden der Kirche zurückgeworfen.

„In eine große, ernste und doch herrliche Zeit tretet ihr, die ihr noch an der Schwelle des Lebens steht, ein! Beneidenswerte Jugend, die ihr eure ersten, frischesten Kräfte dem bedrängten Vaterlande weihen dürft!“

Die Gesichter der Husaren blicken zur Kanzel empor. Blutjunge Gesichter sind es zumeist — ernst, voll tiefer Begeisterung sehen sie zu dem, der zu ihnen spricht, empor.

Aus den Seitenschiffen klingt es wie leises Schluchzen. Tücher werden an die Augen geführt. Mutterherzen bluten; Mutterherzen wollen sich auflehnen gegen das Gewaltige, das von ihnen gefordert wird.