Der oben auf der Kanzel steht, spricht unendlich gütig und liebevoll zu denen, die heute den Schwur der Treue leisten wollen.
Er spricht von Deutschlands Feinden, die, von Neid, Haß und niedrigen Instinkten getrieben, den Willen haben, das Deutsche Reich zu zerstückeln, zu vernichten. All die unerhörten Ereignisse, die diese Wochen bewegten, läßt er von der Kanzel herab an den jungen Menschen, die gewillt sind, ihr Vaterland zu schützen, vorüberziehen.
Ein jeder, der in der großen Kirche sitzt, hat alles das, was da aufgezählt wird, noch frisch im Gedächtnis. Und doch — wie es hier aneinandergereiht wird, wie man es förmlich wie die Glieder einer Kette vor sich erstehen sieht — da glaubt man wieder, ein Stück aus ferner Vergangenheit tolle sich hier auf.
Eine jede Mutter, die im Seitenschiff der Kirche sitzt, wird ihre Seele erschauern fühlen, eine jede wird in furchtbarem Zwiespalt mit sich selbst sein. Hat sie dafür ihr Kind geboren, daß es, kaum ins Leben eingetreten, sich schon opfern soll. Hat sie ihr Kind geboren, damit es in einem Kriege, der tückischer, bestialischer geführt wird als je ein Krieg aus der Vorzeit, nicht einmal von offener Kugel getroffen, sondern vielleicht hingeschlachtet werden soll?
Unausdenkbar! Grauenvoll!
Oh, wie zucken, wie bluten die armen, wehen Herzen im Seitenschiff, während die, an die die Rede gerichtet ist, froh und begeistert zur Kanzel aufschauen.
Dem, der da oben steht und zu der jungen Schar künftiger Helden spricht, ist eine herrliche Redegabe verliehen. Mag sein, daß die Größe der Zeit ihren Teil daran hat; aber es ist, als sei ein Gottgesandter hier in diesem Raume erschienen — einer, der das Wort des Herrn mit der ganzen Gewalt und Inbrunst, die es besitzt, wiedergibt.
Wilder wütet der Sturm ums Gotteshaus; es ist, als höre man Kriegslärm; es ist, als solle man hier drinnen im Frieden des heiligen Hauses besonders eindringlich an all das Böse und Wilde, das draußen in der Welt vor sich geht, erinnert werden.
Ein Gebet wird gesprochen — ein stilles, gutes, inbrünstiges Gebet zu dem, der die Geschicke lenkt, der dem Recht zum Sieg verhelfen und das Unrecht bestrafen muß! Oh, wer so einfach glauben und zu Gott vertrauen kann!
Die Husaren stehen mit geneigten Köpfen, die Orgel intoniert eine leise Melodie, und an Stelle des Geistlichen tritt nun ein junger Offizier vor die Soldaten hin. Hellgrau ist seine Attila und mit silbernen Tressen besetzt. In voller Gala, mit Bandelier und Schärpe steht er da. Die Orgel spielt ganz leise, so daß es wie ein geheimes Wogen durch die Kirche geht. Er liest den Fahneneid: