Er kann entsetzlich schreien; die Ohren sausen dem, in dessen Nähe er steht und der seine Ungnade erworben hat.

Für den kleinen Hiller, dem man zum drittenmal ein neues Pferd gegeben hat, ist das, welches er jetzt erhalten, ein wenig zu hoch. Es ist verteufelt schwer, sich in den Sattel zu schwingen. Das Tier heißt wegen seines Benehmens ‚Verbrecher‘; es beißt und keilt aus. Hillers Schienbein hat eine starke Anschwellung, die von einem Tritt herrührt. Er hätte sich daraufhin krank melden können, haben ihm seine Kameraden gesagt. Aber er mag nicht ins Lazarett, denn er hat das sichere Gefühl, daß sich irgend etwas Großes in der Welt ereignen wird, wenn er nicht zugegen ist. Und wenn er sich ausdenkt, daß er eines schmerzenden Schienbeins wegen im Bett liegt und die anderen vielleicht gerade dann ausrücken, vergehen die Schmerzen ganz von selbst. Er ist keine Memme und kann schon was ertragen.

Der neue Wachtmeister braucht eine sehr erhebliche Zeit, bis er einen vom andern unterscheiden lernt. Er kennt niemand beim Namen und weiß nicht, wer Einjähriger und wer Dreijähriger ist.

‚Vize‘ hatte darin ein viel feineres Unterscheidungsvermögen.

Zu Hiller sagt er eines Tages: „Zeig’ mal her, du Aas, wie du deine Sporen sitzen hast!“ Und als es nichts zu tadeln gibt, fragt er: „Wie heißt du?“

Hiller, ohne es zu wollen, reckt sich, und sein Gesicht nimmt einen hochmütigen Ausdruck an. Er nennt seinen Namen, und der Wachtmeister sagt: „Ach so, ’n feines Aas also! Aber hier bist du ein Rekrut wie alle anderen, merk’ dir das!“

Hiller hat auf den Lippen, zu erwidern: „Sie irren, Herr Wachtmeister, ich bin Kriegsfreiwilliger!“ Aber er ist schon zu sehr Soldat — zu sehr ist ihm Gehorsam und Disziplin schon ins Blut übergegangen.

„Zu Befehl, Herr Wachtmeister!“ sagt er und läßt das ‚Aas‘ auf sich sitzen.

Abends unterhält sich der Wachtmeister sehr freundschaftlich mit ihm und fragt ihn nach seinen näheren Verhältnissen aus. „So — der Vater ist schon lange tot! Hm — und er ist das einzige Kind! Schwer für die Mutter!“ Er wird gerührt und ist wirklich nett und herzlich zum kleinen Hiller.

Der benutzt die gute Gelegenheit, ganz bescheiden zu erwähnen, daß sein neues Pferd, der ‚Verbrecher‘, zu hoch für ihn sei und dazu gemein ausschlage; aber mit diesem Anliegen hat er kein Glück.