Der Wachtmeister reißt den Mund weit auf und läßt gleich wieder die große Kluft, die den Vorgesetzten vom Untergebenen scheidet, entstehen.

„Mensch, denkst du, daß du dir im Feld einen Gaul aussuchen kannst? Wenn dir da dein Tier unter dem Leib weggeschossen wird, glaubst du, daß da gleich ein Dutzend um dich herumwiehern, damit du dir das bequemste aussuchen kannst? Nee, gibt’s nicht, mein Junge. Und wenn ein Pferd so hoch ist wie ein Turm, raufkommen muß einer, der sich Kavallerist schimpft. Sollst mal sehen, was ich von jetzt an für ein Auge auf dich haben werde, und in spätestens einer Woche kommst du mit Eleganz auf dein Tier rauf, das schwöre ich dir!“

Teufel, ja — da hatte Hiller sich was eingebrockt. Der Wachtmeister ließ ihn nicht mehr aus den Fingern. Fünfmal hintereinander: „Rauf aufs Pferd und wieder runter!“ Beim fünftenmal ging es gewöhnlich.

„Draußen im Feld wirst du deinem Wachtmeister danken! Da wirst du dir vielleicht mal sagen: ‚Donnerwetter, der Kerl hat’s gut mit mir gemeint!‘ Denn das hat schon manchem im Feld das Leben gerettet, wenn er tadellos auf jeden Gaul hinaufkann. Das kannst du dir da drüben auch merken, du Sonntagsreiter du! Häng’ mal mit deinen zweihundert Pfund nicht wie ein Mehlsack auf dem armen Biest!“

Hipp, an den die Worte gerichtet sind, sieht den Wachtmeister in der gewohnt-treuherzigen Art an.

„Zu Befehl, Herr Wachtmeister, ich wiege nur hundertvierzig Pfund!“ wagte er zu sagen.

„Schnauze halten!“ schreit der Wachtmeister wütend. „Wenn ich sage, daß du zweihundert Pfund wiegst, dann wiegst du eben zweihundert Pfund. Im übrigen werde ich auch dich mal im Auge behalten, dann wird dir das Antwortgeben bald vergehen!“

Hipp und Hiller werden, ohne daß ein besonderer Grund dazu vorliegt, von allen Kameraden und auch von dem Wachtmeister für etwas Zusammengehöriges angesehen. Sie haben weder im Äußeren noch in ihrem Wesen irgendwelche Ähnlichkeit, und auch ihre Leistungen sind sehr verschieden.

Aber sie sitzen oft beieinander, und wenn Hipps Vater in die Garnison angereist kommt — und das tut er häufig — ladet er den jungen Hiller jedesmal mit ein.