„Laß gut sein, Kind, so was mußte einmal kommen, und vielleicht ist es ein Glück, daß ihm gerade jetzt noch die Augen geöffnet wurden. Wer weiß, was sie in den nächsten Monaten zu sehen bekommen.“

„Er ist noch so ein Kind, Großmutter. Du weißt gar nicht, wie sehr er noch Kind ist, trotz seiner Grübeleien.“

„Dann war es die höchste Zeit, daß er aus seiner Kindheit herausgerissen wurde!“

„Es tat mir aber weh. Ich hatte plötzlich das Gefühl, als sei er wieder mein ganz kleines Kind, das ich gegen die Welt schützen müßte. Überhaupt, Großmutter — immer in dieser schrecklichen Zeit, jetzt lebe ich wieder alles von früher durch — wie er noch ganz mein war — ganz hilflos — ich kann dir das nicht so sagen — aber es tut alles so entsetzlich weh — so als ob einem scharfe Messer im Herzen wühlten.“

Großmutter streichelte Marias Haar.

„Da mußt du dich nun drüber hinwegsetzen, Kind. Du darfst nicht egoistisch sein. Eine Mutter hat die Pflicht, ihr Kind unter Schmerzen und Wonne zu gebären, es großzuziehen und dann wieder herzugeben. So will es die Natur und alles Auflehnen hilft nichts!“

Großvater kam mit seinem Extrablatt. „Die Russen in Tilsit!“ Er war ganz bleich.

Großmutter lenkte ab: „Laß eben Maria fertig erzählen! Also das Abitur hatte er, und dann?“

„Dann liefen sie von Kaserne zu Kaserne, um sich zu stellen. Zu Tausenden standen sie da herum, und er kam an den ersten beiden Tagen enttäuscht nach Hause. Am dritten aber mittags strahlte er und hatte einen Fahrschein nach der Altmark — da sollten sie sich beim Husarenregiment melden!“