Der zweite Wachtmeister macht ein ernstes, würdiges Gesicht und läßt einen flotten Trab annehmen. Über den großen Exerzierplatz hinweg geht’s durch einen dunklen Wald. Hiller ist zwar mit Leichtigkeit auf seinen neuen Gaul, den Fuchs, hinaufgekommen. Aber nun er oben ist, büßt er sehr schnell sein Behagen ein, denn das Tier ist sehr temperamentvoll und nervös; bei jedem unbekannten Geräusch zuckt es zusammen und scheut.
Im Wald müssen sie über unzählige Hindernisse, und der Wachtmeister mit dem ‚alten Mann‘ fliegen dahin, als ritten sie über glatten Boden. Hipp rutscht zweimal von seinem Gaul herab und schimpft und flucht, und Hiller bearbeitet seinen Fuchs mit Schenkeln und Sporen. Nur mit größter Not halten sie sich in Sehweite des Wachtmeisters. „Voran!“ brüllt er ihnen zu, und der ‚alte Mann‘ muß zu ihnen zurückreiten, um ihren Tieren das nötige Tempo beizubringen. Hipp schreit ein paarmal laut auf und weiß selbst nicht, wie es ihm gelingt, sich oben zu halten. Aus dem Wald heraus fliegen sie über eine lange Chaussee hin. Irgendwo in der Nähe ist Pferdegetrappel zu hören, das müssen die feindlichen Patrouillen sein. In zehn Minuten kommt der Zug, auf den sie schießen sollen, vorbei.
An einer gedeckten Stelle, ganz nahe der Bahn, läßt der Wachtmeister halten und lauscht. Das Pferdegetrappel ist ganz nahe, man kann nur nicht unterscheiden, ob es unmittelbar an der Bahn oder mehr nach dem Wald zu ist.
Flüsternd befiehlt der Wachtmeister: „Absteigen!“
Hipp und Hiller bekommen außer den eigenen Tieren und Lanzen noch die des Wachtmeisters und des ‚alten Mannes‘ zu halten. Der Wachtmeister, vom ‚alten Mann‘ gefolgt, schleicht in gebückter Stellung dem Bahndamm zu. Schweigend stehen Hipp und Hiller einander gegenüber. Stockdunkel ist es um sie her, und der eine kann das Gesicht des andern nicht erkennen. Gegen den ausdrücklichen Befehl holt Hipp eine kleine Stallaterne aus der Tasche, hängt sie in die Schnüre seiner Attila ein und läßt das Licht aufflammen.
Der Fuchs ist unruhig und zwingt Hiller, sich rund im Kreis mit ihm zu bewegen. Hipp muß die drei anderen Gäule am Zügel halten. Vom Wald her reiten jetzt ganze Kolonnen nach dem Bahndamm zu; von ferne hört man das Schnauben und Rasseln des heraneilenden Zuges, ein Schuß ertönt und noch einer, und Hiller schreit laut auf.
Der Fuchs ist hoch in die Höhe gestiegen und hat sich mit mächtigem Ruck losgerissen. Nun fliegt er in rasender Schnelligkeit dahin.
„Hipp, hilf!“ schreit Hiller und rennt hinter dem Fuchs her, und Hipp, selbst auf das äußerste erschreckt, vergißt seine drei Pferde und rast hinter Hiller her, an ihnen vorbei die freigelassenen Gäule.
„Mensch, sei kein Döskopf!“ Hipp kann kaum mehr Luft bekommen, ist über einen Baumstamm gefallen und flucht und schimpft. „Laß doch die verteufelten Biester laufen, wohin sie wollen; oder glaubst du, du holst deinen Fuchs noch ein?“ Und Hiller bleibt mit hochklopfendem Herzen stehen. Hipp hat recht; es ist natürlich ein Blödsinn, den Gäulen nachzulaufen.
Aber was nun? Schweigend gehen sie zu den Lanzen, die sie im Boden aufgespießt haben, zurück. Hiller hat das Gefühl, ein Verbrechen begangen zu haben, und auch Hipp ist verlegen.