„Die Schuld hast du,“ sagt er zu Hiller. „Du hast den Fuchs nicht gehalten! Na, aber laß gut sein, ich petze nicht. Schön werden die nächsten Viertelstunden ja nicht werden, aber den Kopf kann er uns auch nicht abreißen. Pst! Da kommt er schon!“
Der Wachtmeister sieht die zwei mit den neben ihnen aufgespießten Lanzen stehen und ahnt sogleich, was sich ereignet hat. Im Grunde ist er guter Laune gewesen, weil er den Sieg errungen hat; aber die beiden armen Sünder, die hier vor ihm stehen, lassen die gemütliche Stimmung schnell verfliegen.
„Wo habt ihr die Pferde?“ brüllt er sie an.
Hiller will eine Erklärung abgeben, aber Hipp schreit in seiner Angst in die Dunkelheit hinein: „Durchgegangen, Herr Wachtmeister! Und da kann kein Mensch was für bei dieser Schießerei! Ich habe sie mächtig festgehalten, aber so viel Kraft hat kein Mensch, daß er gegen vier wildgewordene Gäule ankommt!“
„Schnauze halten, ihr Himmelshunde! — Schlappe Kanaillen! Was denkt ihr euch nun, was nun werden soll, wie ich nach Hause kommen soll? Meint ihr, ich hucke die Lanze auf, ich laufe zu Fuß durch den Wald?“
Hipp und Hiller nehmen je zwei Lanzen auf den Arm, und unter fortwährendem Schimpfen und Fluchen des Wachtmeisters geht es ein Stück Weg entlang.
Mit so lieblichen Namen wie in dieser Nacht haben die beiden Berliner Bürschchen sich noch nicht nennen hören. Sie lassen den Wald links liegen und gehen auf großem Umweg durch ein Dorf. Der Wachtmeister hält plötzlich in seinem Fluchen inne; von einem Seitenweg kommt jemand auf sie zugeritten. Ein Unteroffizier, mit zwei Pferden. Es ist Hillers Fuchs und das Pferd des ‚alten Mannes‘. Die sind unterwegs von der feindlichen Partei aufgefangen worden.
Donner, ja! Jetzt ist der Wachtmeister auf einmal rosigster Laune — steigt auf — heißt auch den ‚alten Mann‘ aufsitzen und heidi — fort. Hipp und Hiller mit ihren vier Lanzen sehen sich erst eine Weile ungläubig an. Hiller zieht eine Generalstabskarte heraus und studiert, wie lange sie zu laufen haben. Durch den Wald können sie nicht gehen, also immer rund herum um den Wald — das bedeutet statt einer und einer halben Stunde drei Stunden Weges.
Es ist halb elf Uhr, und da sie keine Zeit hatten, vor dem Ausrücken etwas zu essen, sind sie hungrig. Im Dorf, durch das sie kommen, sehen sie ein erleuchtetes Wirtshaus. Hiller will erst nichts davon wissen; sein Gewissen quält ihn, er will auf schnellstem Wege dahin, wo er hingehört.