Der Wachtmeister würdigt sie keines Wortes, behandelt sie aber während des ganzen, langen Reitunterrichtes nicht gerade besonders sanft.
Hillers Kopf bleibt benommen; erst am Abend wird ihm wohler. Hipp steht im Stall neben ihm und erzählt Geschichten von kleinen Mädchen. Hiller tut teilnahmslos, und Hipp nennt ihn wieder: „Esel!“
Am späteren Abend in der Kantine erst findet er seinen Frohsinn wieder. Der Wachtmeister hat ihn angeredet und ist weich geworden. „Nimm dir das nicht zu Herzen!“ sagt er väterlich. „Jedem kann natürlich mal sein Gaul durchgehen. Im übrigen macht sich die Sache mit dir!“ Da wird er ganz froh, fast ausgelassen und läßt trotz der Ebbe in seiner Börse eine Runde auffahren.
Die Wochen vergehen; der Oktober ist gekommen. Die Zeit der wilden Stürme ist da. Sie brausen übers märkische Land; sie heulen und klagen über die weiten Ebenen dahin. Eine wilde, schwere Nacht hat in der altmärkischen Stadt furchtbare Verwüstungen angerichtet. Am Flußweg sind zwei große Pappeln ums Leben gebracht. Wie Tote liegen sie lang über den Weg ausgestreckt. Ein Baugerüst ist umgefallen und hat einen unter sich begraben, und in jeder Promenade liegen ein paar gefällte Bäume und ausgerissene Sträucher. Noch ein paar andere Menschen sind zu Schaden gekommen. Einer Frau ist die Schulter gequetscht worden, und die ganze Stadt ist voll von dem Unglück dieser einzelnen. Ein Trunkener, der unter einem Baum gelagert hat, hat ein Auge eingebüßt. Auch sein Schicksal erregt Mitleid. Ein Landstürmer sagt wütend: „Wenn unsereins draußen zu Haufen niedergeschossen wird, dann ist das nichts Besonderes. Aber hier flennt man um ein altes Weib und einen Trunkenbold!“
Da der Oktober so schwer und wild einsetzt, prophezeien die Leute einen furchtbaren Winter. Die Leute müssen was zu schwatzen haben; sie müssen sich vor etwas gruseln machen. Die Ereignisse schreiten jetzt langsamer voran. Nach dem raschen Siegeszug durchs belgische Land ist ein Stillstand eingetreten. Großes soll sich vorbereiten! flüstert man. Eine Schlacht, wie sie die Weltgeschichte noch nicht gesehen, soll geschlagen werden in nächster, allernächster Zeit.
Die jungen Freiwilligen in der Kaserne werden von Ungeduld verzehrt. Warum hält man sie noch? Die Infanterie ist schon in Scharen hinausgezogen; sie aber hält man fest und drillt und drillt. Sie kennen doch nun wirklich alles, was sie zu kennen brauchen. Auf ihren Pferden sitzen sie so sicher wie auf einem Stuhl; das Lanzenbohren, das sie an Strohpuppen gelernt haben, ist ein Kinderspiel. Nun fiebern sie, an den Feind zu kommen.
Aber es ist noch gar und gar keine Aussicht fürs baldige Ausrücken da. Nicht mal die feldgraue Uniform haben sie erhalten.
Einer von den alten Leuten, der hier Garnisondienst tut, hat gesagt: „Paßt mal auf, Weihnachten sitzt ihr auch noch hier! In diesem Krieg braucht man die Kavallerie kaum noch. Was früher der Kavallerist erkunden mußte, tut heute der Flieger, und außerdem hat man Autos und Räder!“