Man freut sich, wenn Russen oder Franzosen Niederlagen erleiden und große Verluste haben. Der kleinste Triumph aber über England löst ungeheuren Jubel aus.

So feig ist der Brite, hat seine Flotte in die Irische See gebracht und wagt sich zu keinem Angriff vor.

Deutschland soll angreifen, soll sich preisgeben, soll plump hereinfallen. England lebt nur noch von Lüge und Betrug.

Die erste Nation der Welt hat sich die Lüge zur Politik gemacht. Ob die Welt das duldet? Ob England sein Ansehen unter den Völkern behaupten wird, wenn dieser gewaltige, unselige Krieg einmal zu Ende ist? Die Kinder im Städtchen, die auf den Plätzen und in den Anlagen Krieg spielen und die Rollen der Feinde untereinander verteilen, geben sich gern dazu her, Franzosen, Russen oder Belgier zu sein. Den Engländer aber will keiner abgeben; wer im Spiel Engländer sein muß, der schämt sich und verlangt dafür, daß er beim nächsten Spiel Deutscher sein muß.

Frau Hiller steht mit Fräulein Else in der Tür des Hauses, als die Freiwilligen aus dem Kasernentor herausreiten. Wie ihr kleiner Ernst nun schon sicher auf dem Pferd sitzt! Er nickt der Mutter zu, und der große Zug schmucker Husaren, den Karabiner über der Schulter, die Lanze im Arm, bewegt sich die lange Straße hinab, dem Bahnhof zu.

Fräulein Else hat den lebhaften Wunsch, sich die Sache anzusehen. Am Bahnhof ist natürlich alles abgesperrt, da kann man nicht durch. Aber wenn man mutig ist, geht man zum Lager selbst hinaus. Es ist ja nicht gefährlich, denn der Mond scheint, und draußen beim Lager brennen die hohen Bogenlampen.

Aus der Kaserne kommt der junge Arzt, der die Wachtmeistersleute hin und wieder besucht und mit ihnen in der Küche Kaffee trinkt. Fräulein Else läuft ihm entgegen und bringt ihr Anliegen vor.

Der Arzt ist selbst auf dem Wege zum Exerzierplatz. Er hat das Amt, nach den leichtverwundeten Russen, die schon am Morgen ankamen und im großen Saal eines Bierrestaurants, dicht beim Lager, untergebracht sind, zu sehen. Er begrüßt Frau Hiller und erklärt sich bereit, die Damen zu begleiten. Mirza läuft mit ihnen.

Es ist eine kühle, sternklare Nacht, und sie biegen gleich links von der Kaserne in einen schmalen Weg ein. Rings um sie herum sind Felder; ein Bächlein rieselt da durch, der Mond gießt weiches Licht auf die Erde, und der Arzt erzählt von den Einrichtungen, die für die Russen getroffen worden sind. Am Bahnhof, in einem Lazarett, liegt eine Anzahl Schwerverwundeter. Ein paar von ihnen werden in allernächster Zeit ihren Wunden erliegen. Entsetzliche Verletzungen haben sie davongetragen.