„Siehst du, Maria, daß ich recht hatte! Ein Junge will von Männerhänden angefaßt sein. Ich kann dir den Vorwurf nicht ersparen. Du hättest ihn früher hergeben müssen — — aber schadet nichts! Das, was ich immer für ihn ersehnt habe, ist ja nun doch noch gekommen. Er ist auf dem besten Wege, ein Mann zu werden! Und wie ihn die Uniform kleidet!

Genau wie bei seinem Vater! Zog der Zivil an, dann war er nicht wiederzuerkennen. Also, Junge, nun bleibst du bei der Stange! Offizier ist der einzig wirkliche Beruf. Und sollst mal sehen, was das für ein Avancement gibt, wenn der Krieg vorüber ist. Dann braucht Deutschland erst seine Offiziere. Und wenn du brav und schneidig bist, dann wird Großmutter auch ein übriges tun; dann sollst du über die Zulage nicht zu klagen haben!“

Ihr Gesicht ist heiß vor Erregung; sie hält den jungen Menschen immer noch an beiden Schultern fest, küßt ihn wieder auf beide Wangen und lacht dann. „Bringt er immer so einen angenehmen Duft aus der Kaserne mit, Maria? Aber nun setz’ dich, mein Junge!“ Und sie zieht ihn neben sich aufs Sofa und bittet die Schwiegertochter: „Pack’ mal das kleinere der beiden Pakete aus, da ist der Kuchen drin!“

Die Müller hat köstlichen Kuchen gebacken — dreierlei Sorten. Kein Luxuskuchen, sondern einen echten, rechten Soldatenkuchen — kräftig und gewürzig, mit viel Mandeln und Zitronat, wie ihn der kleine Ernst immer geliebt hat.

Die Großmutter häuft ihm den Teller voll. „Ein Soldat muß immer hungrig sein!“ Ihre Hände zittern, und in den Augen stehen schon wieder die Tränen.

Der Sohn ihres Sohnes! — So wie dieser jetzt hier sitzt, hat sie das eigene Kind im Gedächtnis behalten.

An den, der so früh dahinsiechte, der das schwere Leiden in sich trug, denkt sie nicht gern; alles Kranke, Traurige hat sie immer in ihrem ganzen Leben von sich abgeschoben.

Das alte, junge Gesicht ist wie verklärt, während der Enkel mit Behagen seinen Kuchen verzehrt. Das Kind ihres Kindes! Heiße Liebe wallt in ihrem Herzen auf.

Und die auf der anderen Seite neben ihr sitzt, ist die Mutter ihres Enkels — die Frau ihres toten Sohnes. Ach, mögen ihre Naturen verschieden sein, mag diese Maria ihren Kopf für sich haben, was liegt daran? Sie gehört ganz eng zu dem lieben, lieben Jungen da — und Großmutter, übermannt von den großen, guten, weichen Gefühlen, schlingt den einen Arm um den Enkel, den anderen um die Schwiegertochter und küßt den einen und küßt die andere. „Meine lieben, geliebten Kinder — meine guten, herzigen Kinder!“

Der Junge fängt an zu erzählen. „Du hast einen schlechten Tag zum Besuch ausgewählt, Großmutter. Heut abend kann ich keinen Urlaub bekommen. Einfach unmöglich; ich muß im Stall bleiben!“