Die Freiwilligen, die herausgerufen worden sind, haben rote Köpfe bekommen. Nach Ungarn zum Pferdekauf! Das geht unmittelbar dem Ausrücken voran! Bevor der Landsturm und die alten Leute ins Feld rückten, sind sie auch nach Ungarn gefahren, um Pferde zu holen. Das Herz schlägt ihnen hoch. Endlich, endlich!

Der Wachtmeister ist auch plötzlich rosigster Laune. Der Turnunterricht wird abgebrochen; die, die nicht ausgewählt wurden, haben eine freie Stunde, und die anderen werden kommandiert, um Futterbeutel und Tränkeimer in Empfang zu nehmen.

Hillers Herz klopft zum Zerspringen. Er benutzt die kurze Viertelstunde, die ihnen zum Umziehen gelassen wird, um ganz schnell zur Mutter hinüberzulaufen.

Mit heißen Wangen und leuchtenden Augen steht er vor ihr. „Wir fahren nach Ungarn, Mutter. Pferde holen — dann geht’s ins Feld, Hurra!“

Er weiß gar nicht, was er sagt; er sieht auch nicht, wie bleich die Mutter wird; sie hat ihn gar nicht richtig verstanden und glaubt im ersten Augenblick, daß er schon jetzt den großen Abschied nehmen will. Aber darüber beruhigt er sie. „Nein, nein. Vorerst nur nach Ungarn, die Pferde holen. Dann müssen sie doch ein paar Tage lang eingeritten werden. Man kann doch nicht auf ganz fremden Gäulen ins Feld. Unsinn — Mutter, du brauchst nicht zu erschrecken. Wir kommen ganz sicher wieder zurück. Zehn oder zwölf Tage bleiben wir aus. Aber das ist doch famos! So eine schöne Reise!“

Sie will ihm Kaffee bringen lassen, aber er wehrt ab:

„Nein, Mutter, ich hab’ nicht einen Augenblick Zeit. Ich muß gleich wieder drüben sein. Lebewohl, Mutter; was willst du denn während der Zeit tun?“ Diese letzte Frage richtet er noch im Hinausgehen an sie, wartet aber die Antwort gar nicht mehr ab.

Unten vor der Kaserne steht Hipp und hält triumphierend einen Futterbeutel und Tränkeimer in der Hand. „Teufel,“ sagt Hiller erstaunt, „du warst doch gar nicht unter den Fünfzig!“

Hipp lacht. „Man muß so was zu deichseln verstehen. Ein armer Bauernlümmel ist krank geworden; ich habe ihm zehn Mark zur Erholung geschenkt; da hat er mich als Vertretung vorgeschlagen. Ich werde mir doch so was wie eine Gratisreise nach Ungarn nicht entgehen lassen!“ — Er hängt sich in Hillers Arm: „Hast du Mammon? Sonst kann ich dir aushelfen!“