Aber Hiller hat, was er braucht; Großmutter sorgt immer gut für ihn, und die Mutter gibt auch. Sie gehen in die Stube und ziehen den Reitanzug an. Dann noch schnell in die Kantine, um eine Weiße und ein paar Butterbrote zu verzehren. Für alle Fälle; denn man kann nicht wissen, wo man zuerst etwas zu futtern bekommt.

Im Hof steht der Wachtmeister mit den zwei Unteroffizieren: „Antreten! — Zu Reihen gliedern! — Marsch!“ Und fort geht’s zum Bahnhof. Vorerst mal in den Zug nach Magdeburg. — Dritter Güte — das ist anständig; jeder hat seinen Platz, und der Wachtmeister ist fortgesetzt in rosigster Laune.

„Wenn ihr Lust habt, könnt ihr singen!“

Hipp hat eine Mundharmonika und setzt sie sogleich an. ‚Morgenrot, Morgenrot, leuchtest mir zum frühen Tod!‘ Sie singen es mit leuchtenden Augen — der Wachtmeister und die Unteroffiziere auch. Was das für ein Gefühl ist — mal endlich aus der Kaserne raus!

„Unsere Damen werden heut’ abend große Augen machen!“ flüstert Hipp, zu Hiller gewandt. „Schad’t aber nichts; sie müssen sich jetzt langsam von uns abgewöhnen.“

Über Hillers Gesicht fliegt ein Schatten. Daran hat er in seiner Aufregung noch gar nicht gedacht, und das Mädchen tut ihm furchtbar leid. Was mag die denken, daß er sie so einfach im Stich läßt!

Hipp sagt: „Siehst du nun ein, daß es blödsinnig ist, bei so einer Sache etwas zu fühlen? Immer frei bleiben! Das ist die Hauptsache! Wenn ein Mädchen flennt und Liebesschmerz hat, was ist dabei? Sie haben ja sonst nicht viel zu tun. Aber unsereins muß frei bleiben. Ist ja auch nicht der Mühe wert, oder glaubst du, daß deine Kleine länger als einen Tag um dich weint, wenn sie vielleicht mal hören soll, daß du gefallen bist? Nur keine Illusionen!“

Und es ist gut für Hiller, daß Hipp ihn immer wieder aus seiner Phantasiewelt herausreißt, denn er gehört zur Klasse der reinen Toren, die überall nur Gutes und Wahres und Reines sehen.

Sie singen ein Lied nach dem andern, und der Zug läuft in Magdeburg ein, bevor man’s gedacht hat. Am Bahnhof steht ein Trupp Ulanen mit Wachtmeister und Unteroffizier. Der Vorgesetzte der Husaren tritt zu dem Kameraden vom Ulanenregiment hin und verständigt sich mit ihm. Sie haben Befehl, die Reise gemeinsam zu machen. Eine Stunde Aufenthalt in Magdeburg — dann weiter nach Dresden, wo die erste Nachtrast sein soll.