Die Freiwilligen — Ulanen und Husaren — bekommen Stadturlaub; in einer Stunde haben sie wieder am Bahnhof zu sein. Sie zerstreuen sich in Trupps und suchen die dem Bahnhof zunächst liegenden Kneipen auf. Man kommt sich schnell näher. Die Ulanen sind noch ebenso unsicher wie die Husaren, ob es nach dieser Ungarnreise nun wirklich hinausgeht. Man weiß ja wahrhaftig nicht, wozu man noch in der Kaserne sitzt, man begreift es nicht, daß man solche Mengen von gutem Soldatenmaterial noch in der Kaserne läßt. Hipp ist mit Hiller und ein paar Ulanen in einer richtigen Muschkokneipe gelandet. Man sieht nichts anderes als buntes Tuch und atmet einen üblen Geruch ein. Schadet aber nichts — man ist wenigstens mal aus dem ewigen Einerlei heraus!
Die Fahrt nach Dresden ist schon ein wenig ungemütlicher als die vorherige. Sie sind jetzt neunzig Mann und werden vierter Klasse verstaut. Wer Glück hat, kann sitzen, die anderen stehen. Sangeslust ist nicht mehr vorhanden, und um die neunte Stunde, um die man sonst auf seinen Strohsack zu fallen pflegt, lassen die meisten ihre Köpfe hängen. Macht der Gewohnheit. — Um neun Uhr meldet sich der Schlaf! Und ein paar von denen, die einen Sitzplatz haben, fangen an zu schnarchen.
Um Mitternacht sind sie in Dresden; da ist noch reges Leben am Bahnhof. Das Rote Kreuz hat einen großen Raum für Verwundete und durchreisende Krieger eingerichtet, und labt nun auch die Husaren und Ulanen mit gutem, heißem Kaffee, Butterbrot und Zigarren.
Da die Nacht vorgeschritten ist, kann man nicht mehr zu einer Kaserne hinaus, um Quartier zu bekommen; man muß am Bahnhof bleiben, zum wenigsten die, die auf Regimentskosten schlafen wollen. Wer Geld hat, kann sich in der Stadt ein Unterkommen suchen. Um elf Uhr am nächsten Morgen hat man sich wieder am Bahnhof einzufinden. Eine ganze Menge von ihnen verfügt über das nötige Kleingeld und zieht in die Stadt. Schade, daß man so hundemüde ist; man hat jetzt wirklich nur noch das eine Verlangen, sich auszustrecken, und zwar sobald als möglich.
Hipp und Hiller und zwei Mann, die sie als ihresgleichen erkannt haben, betreten ein sehr feines Hotel. Warum soll man nicht für eine einzige Nacht üppig sein? Ein Vermögen wird’s nicht kosten. Und man schläft dann wenigstens mal wieder in einem anständigen Bett und bekommt am Morgen etwas Ordentliches zu frühstücken.
Der Oberkellner sieht die vier Soldaten etwas kritisch an, aber der weltkundige Hipp hat ihn bald da, wo er ihn haben will. Er versteht es prachtvoll, jemanden mit drei Worten klarzumachen, wer er ist, und was er zu beanspruchen hat.
Sie erhalten je zu zweien ein sehr anständiges Zimmer mit Heizung und elektrischer Beleuchtung; aber sie genießen nicht mehr viel von diesen Bequemlichkeiten. Kaum, daß sie den Uniformrock und die lederne Reithose ausgezogen haben, sind sie schon im Schlaf drin und schlafen nicht schlechter und nicht besser als in ihrer Altmärker Kaserne auf dem Strohsack.
Aber am nächsten Morgen läßt sich die Sache schon anders an, da kann man sich erst noch diverse Male umdrehen, ehe man ans Aufstehen denkt, und sitzt dann unten im Frühstückszimmer vor einem famosen Frühstück, das durch Hipps Anordnungen noch um vieles delikater gemacht wird.
Die Rechnung ist dann auch einigermaßen erstaunlich, und Hipp läßt beim Bezahlen seines Anteils die Bemerkung einfließen, daß man in diesem Hotel nicht sehr patriotisch gesinnt zu sein scheine, denn sonst würde man freiwilligen Kriegern, die in kurzer Zeit ihr Leben fürs Vaterland einsetzen wollen, nicht solche Summen abnehmen. Der Oberkellner bleibt kühl und würdevoll und läßt Hipps Bemerkung an seinem Ohr vorbeigehen, als ob er sie nicht gehört oder verstanden habe.