Macht nichts! Man ist acht Mark losgeworden, aber man hat doch auch etwas dafür gehabt. Weiterhin wird man ja keine Gelegenheit zu großen Ausgaben mehr haben!

Nun läßt sich die Sache wirklich anders an — viel ernster und dienstlicher!

Wieder werden sie in Wagen vierter Klasse untergebracht und fahren in sehr gemäßigtem Tempo der österreichischen Kaiserstadt zu.

In Prag ist längerer Aufenthalt, und am Bahnhof sind Speisehallen aufgeschlagen. Jeder tritt mit seinem Napf an und bekommt ein Stück Fleisch, auf das eine heiße, kräftigriechende Suppe gefüllt wird. Es schmeckt gut, denn sie sind hungrig — sie können gut und gern die doppelte Portion vertragen; aber es dauert eine geraume Zeit, bis alle neunzig Mann gespeist sind, und man muß sich sogar beeilen, seinen Napf auszulöffeln.

Die Dunkelheit bricht an, als sie sich Wien nähern. Hiller ist in freudiger Erregung. Das war schon längst sein Wunsch, das schöne, alte Wien zu sehen! Und es kommt ihm fast unwahrscheinlich vor, daß dieser Wunsch sich nun so plötzlich erfüllen soll. Am liebsten wäre er gleich vom Bahnhof mit Hipp und den zwei Mann in die Stadt gelaufen, denn höchstwahrscheinlich werden sie wieder Nachturlaub erhalten.

Aber am Bahnhof heißt’s: „In Reihen gliedern! — Marsch!“ Und es geht durch eine Reihe grauer Straßen immer in Reih und Glied. Man darf den Kopf nicht nach rechts oder links wenden. Wohin führt man sie? Was hat man mit ihnen vor?

Ah, nun kommen sie in belebte Gegenden. Die Leute schauen nach ihnen und bleiben stehen. „Heil — Hurra — Deutschland!“ ertönt’s von allen Seiten. Man bringt ihnen Ovationen dar — man feiert sie. „Deutschland, Deutschland über alles!“ erschallt es, und Menschenscharen schließen sich ihnen an. „Deutsche Husaren und Ulanen. Hurra! Hoch die Verbündeten! Heil dir im Siegerkranz! Hoch Kaiser Wilhelm! Hoch — hoch — hoch!“

Die Köpfe der jungen Menschen werden heiß. Das Blut wallt ihnen zum Herzen. Sie wissen, daß der Jubel nicht ihnen selbst, nicht ihrer Person, sondern dem Lande, das sie hier vertreten, gilt. Und sie fühlen es mit Wonne und Glück: Wir sind Deutsche! Wir sind in Freundesland. Man liebt uns.

Ach, endlich einmal wieder Begeisterung und Hoch und Hurra und heiße, flammende Freude! Endlich einmal wieder kommt es einem zum Bewußtsein, daß man in dieser gewaltigsten aller Zeiten lebt, daß man zu Hohem, Heiligem berufen ist.