Sie singen es mit ihren Bundesbrüdern — sie singen es aus jubelndem, heißem Herzen heraus: „Deutschland, Deutschland über alles!“
Aber von Wien bekommen sie nichts zu sehen; man hat sie nur von dem einen Bahnhof, auf dem sie ankamen, zu einem anderen geführt, und da steht schon der Zug bereit, der sie weiter, der sie direkt nach Budapest bringen soll. Vorher große Abspeisung und Hurra und herzliches Willkommen. Die hübschen jungen Mädchen stecken ihnen Liebesgaben zu: Schokolade, Zigarren, Postkarten, und überall hallt es: „Hoch Deutschland! — Hoch die Verbündeten! Deutsche Ulanen und Husaren — Hurra — Hoch!“
Die Österreicher haben ihren Waffenbrüdern einen komfortablen Zug zur Verfügung gestellt: D-Zug, nur mit Wagen zweiter Klasse. Die Österreicher sind ein höfliches Volk, sie wissen, wie man seine Freunde ehrt. Jeder hat viel Platz, und sie sitzen sehr bequem auf ihren Samtpolstern.
Hiller hat noch einen Augenblick mit seiner Enttäuschung zu kämpfen, als die Lokomotive anzieht. Sie gleiten am nächtlichen Wien vorüber — ohne etwas anderes als ein paar Straßen gesehen zu haben. Schade — — aber dann ist’s auch schon überwunden. Wenn man gesund aus dem Kriege kommt, wird man Wien schon noch einmal zu sehen bekommen.
Am nächsten Morgen ist Budapest erreicht und gleich Urlaub bis zum Mittag. Großartig! Und man steht an der Donau und sieht die herrliche Stadt mit ihren wundervollen Bauten vor sich liegen. Die Sonne scheint und glitzert auf den Wellen des Stromes. Wirklich famos! Und Hipp wird in der ihm noch ganz fremden Stadt gleich zum Führer, schreitet mit Hiller und den zwei Husaren über die Brücke, so als ob er schon hundertmal dahergegangen wäre, und macht auch gleich ein Lokal ausfindig, in dem es etwas Anständiges zu frühstücken gibt, denn am Bahnhof haben sie ihnen im Wartesaal einen miserablen Kaffee und Knoblauchwürstchen angeboten. Beides Dinge, die man vielleicht in höchster Not, wenn der Hunger einen schon mächtig plagt, annehmen würde. Aber jetzt hatte man das noch nicht nötig!
Die Menschen hier in der schönen Stadt sind überaus freundlich. Überall begrüßt man sie aufs herzlichste, und alle paar Schritte werden sie angehalten: „Was seid’s für Landsleut? Wer seid’s?“ „Német Husar!“ antwortet Hipp stolz, und: „Német Husar! Hoch Német Husar!“ tönt es ihnen von allen Seiten entgegen.
Ha, die Ungarn wissen, was für Bundesgenossen sie an den Deutschen haben. Es ist eine Freude, hier durch die schöne Stadt zu ziehen und sich anstaunen und feiern zu lassen. Überall steckt man ihnen Zigarren und Postkarten zu, und junge Mädchen bringen ihnen Blumen. „Hoch Német Husar! Heil deutsche Waffenbrüder!“
Zu Mittag speist man gut und teuer. Schadet nichts, man ist nur einmal als Husar in Budapest — und dann wieder Versammlung am Bahnhof. Wieder D-Zug mit Wagen zweiter Klasse, und vorbei geht’s an der schönen, blauen Donau, dann durch flaches Steppenland, bis man an die Ufer der Theiß gelangt.
Szegedin! Es ist Nacht geworden. Die Wachtmeister von beiden Regimentern werden von zwei ungarischen Männern, die ein Mittelding zwischen Bauer und besserem Gutsbesitzer sind, begrüßt. Das sind die Pferdehändler, die morgen ihr Geschäft machen wollen, und die für den heutigen Abend die ganze Schar zum warmen Abendbrot und rotem Ungarwein einladen. Große, gedeckte Tische stehen im Bahnhofsgebäude bereit; es gibt Suppe, schöne, zarte Schnitzel, Gemüse und Käse! Alles umsonst — und in verschwenderischer Fülle. Die Freiwilligen haben einen Bärenhunger, und der Wein tut ihnen wohl. Aber die Wachtmeister wollen zur Ruhe kommen.
Kaum hat man den letzten Bissen gegessen, heißt es schon: „Antreten!“ und man zieht durch dunkle Straßen zur 46. Infanteriekaserne hinaus. Da ist Nachtquartier angesagt. Urlaub gibt’s nicht. Alle zur Kaserne — gleichgültig, ob man Geld für eigene Unterkunft hat oder nicht.