Hipp fliegt hoch in die Luft, so wirft sich einer von seinen Gäulen zurück. Er hat das Gefühl, als sei ihm der Arm aus der Kugel gedreht, und macht ein ganz verzweifeltes Gesicht. Andern geht’s nicht besser; einer hat die Zügel einfach fahren lassen und muß sehen, wie seine Tiere in den Gutshof zurückrasen.
Unter Toben und Schreien, Hü und Hott, setzt sich dann der Zug in Bewegung zum Bahnhof hin. Da stehen die langen Züge mit Viehwagen, und nun heißt’s aufpassen, daß keiner seine Gäule locker läßt. Die Pferde scheuen vor den dunklen Wagen zurück. Sie bleiben am Eingang stehen und sind durch nichts weiterzubringen. Zurufe, Schreien, Stockhiebe — alles nutzt nichts. Man muß sich gegen das Hinterteil stemmen und schieben, bis sie glücklich drin sind.
Stunden vergehen — es ist später Nachmittag geworden, bis die Tiere endlich verladen und gefüttert sind; aber dafür ist dann auch der Rest des Tages und der Abend frei. Erst um Mitternacht hat man sich wieder am Bahnhof einzufinden. Dann soll’s weitergehen bis dicht an die serbische Grenze heran; der Oberst kauft Hunderte und Hunderte von Pferden, und den Freiwilligen wird es immer banger zumute. Wie sollen sie das bewältigen?
Aber erst mal haben sie jetzt einen freien Abend vor sich, und den wollen sie sich nicht verkümmern lassen. Mag nachher kommen, was will. Fürs erste lacht die goldene Freiheit sie an.
Die Straßen der Stadt sind grundlos; bis über die Knöchel waten sie im Morast. Wohin geht man nun? Wer hat eine Ahnung, wo man hier etwas Besonderes sehen kann?
Ein Vorübergehender, der sie anspricht und herzlich begrüßt, hat ihnen in holperigem Deutsch vorgeschlagen, sich mal die Theißanlagen anzusehen, und das tun sie denn auch pflichtgetreu, trotz des stetig fallenden Regens und der einbrechenden Dunkelheit. Aber so recht steht ihnen heute ihr Sinn eigentlich nicht mehr danach, Naturschönheiten zu bewundern. Sie frieren, sind durchnäßt und wollen etwas Vernünftiges in den Magen bekommen.
Die ersten Husaren, die vorbeikommen, werden angehalten. „Sagt uns ein gutes Lokal!“ Die empfehlen das Stammlokal der Szegediner Einjährigen und weisen ihnen den Weg.
Ja, das war eine gute Weisung. Heiße, ungarische Musik schlägt ihnen entgegen, noch bevor sie in den hellen, warmen Saal eingetreten sind. Musik, von einer kleinen ungarischen Kapelle ausgeführt — feiner Zigarrenduft und heitere, angeregte Menschen — Essen und Trinken — was wollen sie mehr!
„Vorerst einmal Kaffee!“ rät Hipp. Inzwischen wird man die Speisekarte studieren und sich ein feines Nationalgericht bestellen.
Hipp ist wirklich der geborene Lebemann. Die anderen würden gleich drauflosgegessen und getrunken haben, aber Hipp weiß ganz genau, daß ein etwas vernachlässigter Magen erst durch etwas Anregendes gereizt werden muß. Wenn der Kaffee sie erwärmt und aufgefrischt hat, werden sie nachher mit viel größerem Genuß speisen können. Man tut ohne weiteres, was Hipp will, und überläßt ihm auch gern, für alles Weitere an diesem Abend zu sorgen.