Die Stimmung ist schon sehr angeregt. Ganze Scharen von den deutschen Husaren und Ulanen haben den Weg in dies famose Lokal gefunden, und die Ungarn trinken und jubeln ihnen zu: „Hoch Német Husar! Hoch Német Ulan!“
Der Kellner bringt eine würzige Suppe von pikantem Geschmack und weißen Ungarwein zu vier Kronen die Flasche. Hipp schenkt vorsichtig ein. „Nur nicht gleich drauflossaufen, dann ist es um den feinen Genuß geschehen!“
Dann ein Fischgericht. Ein Fisch, der am Morgen noch in der Theiß schwamm. Teufel, ja, das muß man den ungarischen Bundesbrüdern lassen; sie haben eine feine, aparte Küche!
Hipp ißt langsam nach Art der Feinschmecker und trinkt den Wein in kleinen Schlückchen.
Zum Schluß ein ungarisches Schnitzel, Butter und Käse und etwas Süßes! Das läßt man sich gefallen! Nicht zu viel und nicht zu wenig! Man ist nicht überfüttert, sondern in eine prachtvoll behagliche Stimmung gekommen und hat noch die Fähigkeit, der Musik zu lauschen und die Umgebung zu beobachten.
Nahe bei dem Orchester sitzt ein junger, verwundeter Offizier, um den Kopf eine Binde, einen Orden auf der Brust; der hat sich schon mit den Serben geschlagen. Sie schauen ihn bewundernd an, wie er vor seiner Flasche Sekt sitzt und den Kopf zu den Tönen der Musik bewegt. Wenn ein Lied gespielt wird, singt er mit — laut und dröhnend — er hat eine prachtvolle Stimme und viel Temperament. Eigentlich zu viel Temperament für einen verwundeten Krieger. Wippt mit den Beinen und schlägt mit beiden Händen den Takt. „Beschwiemelt,“ sagt Hipp, „total beschwiemelt,“ und die anderen blicken neugierig zu dem ordengeschmückten Helden hin. Dieser winkt dem Kellner und sagt ihm etwas; der Kellner scheint ihn nicht zu verstehen. Klatsch — fliegt ein Glas Sekt an den Boden. Im Augenblick steht ein neues da.
Nun fängt er mit dem Kapellmeister an — ruft ihm etwas zu und springt von seinem Sitz auf. Die Augen funkeln ihm; er reißt ihm die Geige aus der Hand. Teufel, kaum kann er sich noch auf den Beinen halten — aber spielen kann er...! Da ist der Kapellmeister nichts dagegen. Er spielt, und der ganze Saal lauscht ihm — er torkelt umher und spielt herzzerreißend schön, spielt, daß man laut aufheulen möchte vor Glück und Schmerz; dann ein Knacks — eine Saite entzwei — die Geige fliegt in eine Ecke — der Verwundete fällt auf einen Stuhl — stützt den verwundeten Kopf in die Hand und starrt vor sich hin. Weint er? Ist sein armer Geist verwirrt? Hat er so Entsetzliches gesehen und gehört, daß er nicht mehr Herr seiner Sinne ist? Daß er trinken muß, um Grauenvolles zu vergessen? Wer weiß es? Wer kann sagen, ob er nur ein liederlicher Kumpan, oder ob er ein Unglücklicher, ein vom Krieg Erschütterter ist?
Zwei junge Honvedoffiziere kommen an seinen Tisch und reden auf ihn ein. Er ist wie ein Kind und läßt sich willig fortführen.
Ein paar Minuten bleibt’s still im Saal — man ist erstaunt und erschreckt. Dann hebt der Kapellmeister die Geige vom Boden — zieht eine neue Saite auf, und die neueinsetzende Musik läßt den kleinen Zwischenfall vergessen.
Aber an anderen Tischen wird’s nun auch lebendig; der Ungarwein beginnt seine Wirkung zu tun. Auch deutsche Husaren und Ulanen haben rote Köpfe bekommen, fangen an zu singen und zu krakehlen. Die wilde Musik stachelt auf — die Begeisterung der Ungarn für ihre deutschen Bundesgenossen steigt; die Luft ist heiß. Und die Begeisterung flammt immer höher auf.