Alles ist aufgeregt; die Leute stehen auf der Straße zusammen, und an der Kaserne versammeln sich immer mehr Menschen. Die Freiwilligen stehen in großen Haufen beieinander, und ihre Gesichter strahlen. Endlich! Endlich!
In den Kleiderkammern liegen die feldgrauen Uniformen bereit; und es geht alles prachtvoll glatt. Ein paar Unteroffiziere sind zur Hilfe herankommandiert, und nach Verlauf einer guten Stunde stehen sie alle in der neuen Ausrüstung da. Nun: Antreten zum Kirchgang — zum Dom! Gottesdienst und heiliges Abendmahl!
Hipp stößt Hiller an. „Verteufelt, unsere Mädchen unten am Stadttor!“
Ach, in der kleinen Garnison wird heute wohl gar manches Mädchenherz bluten; natürlich wissen sie längst Bescheid — denn die ganze Stadt weiß ja schon von der großen Neuigkeit.
Von nun an geht alles wie ein Rausch an ihnen vorüber: die Kirche und das Abendmahl und die eindringliche Mahnung des Geistlichen: „Vergeßt das Beten nicht!“ Dann wieder zur Kaserne zurück — man erhält wieder Instruktionen — ein kurzer Urlaub, und der Tag ist zu Ende.
Sie sind alle wie von einem Taumel ergriffen; keiner fragt nach Vater und Mutter! Ihr Herz ist so leicht und froh und begeistert! Diese Jüngsten, die hinausziehen, um’s bedrängte Vaterland zu schützen, sie sind wirklich die einzig Beneidenswerten! Keine Sorge drückt sie — keine Verantwortung lastet auf ihnen — sie haben den wundervollen Mut und die große Siegessicherheit, die eben nur die ganz junge Jugend haben kann! Für sie gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Sieggekrönt nach Hause kommen oder sterben! An anderes denken sie nicht!
Am nächsten Tag werden sie vom Morgen bis zum Abend furchtbar stramm herangenommen: Instruktionen — Probekochen — Reiten in voller Ausrüstung — Verteilung von Karabinern, Munition, Satteltaschen und Futtereimern! Dann Packen und die Schränke in den Stuben der Kaserne ausräumen! Sie kommen gar nicht zur Besinnung.
Von überallher sind Väter und Mütter angereist gekommen. Die kaufen in der Stadt an Lebensmitteln zusammen, was nur aufzutreiben ist, denn die jungen Freiwilligen müssen sich für eine ganze Reihe von Tagen verproviantieren. Und warme Kleidungsstücke kaufen sie ein; die Mütter sind alle so entsetzt, daß es nun doch nach Rußland geht! — mitten im Winter nach Russland!
Frau Hiller hat für ihren Jungen eine Pelzweste und Pelzschuhe zum Unterziehen gekauft; aber er will nichts davon wissen. „Blödsinn, das ist doch Überfluß — besonders die Pelzschuhe!“ und er will die Dinger gar nicht anprobieren. Die Mutter kniet vor ihm, wie sie vor ihm gekniet hat, als er noch ein kleines Kind war; wenn sie ihm da Schuhe kaufte, wollte er auch nicht anprobieren, und sie mußte ihn immer erst mit guten Worten dazu bringen.