Hipp kommt gerade dazu, als der kleine Kampf zwischen Mutter und Sohn stattfindet. „Mensch, sei doch kein Frosch!“ sagt er. „Wenn deine alte Dame dir so teures Zeug kauft, dann nimm es doch mit Dankbarkeit an. Ich habe übrigens auch solche Dinger!“ Daraufhin gibt Hiller sich zufrieden.
Die letzte Nacht in der Kaserne! Die Jungen schlafen wie die Bären. Viele von ihnen haben mit den Eltern im ‚Schwan‘ großartig zu Nacht gespeist und fallen nun todmüde auf ihre Strohmatratzen. Ob Mütter weinen, ob Väter mit schwer bedrückter Seele in dieser Nacht kein Auge zutun, was wissen sie davon? Sie wissen nur das eine: „Wir kämpfen mit — wir helfen eine große Entscheidung herbeiführen!“
Dann der letzte Tag! Die Instruktionen nehmen kein Ende. Man bekommt noch die eiserne Ration geliefert: einen Beutel Zwieback, Erbswurst, eine Büchse mit Fleischkonserven, Salz und ein Päckchen gemahlenen Kaffee. Das ist für den äußersten Notfall, wenn der Hunger schon sehr stark plagt; eher darf man diesen Bestand nicht anrühren.
Die Stunden fliegen dahin; für zwei Uhr ist der Extrazug bestellt. Hiller läuft ab und zu einen Augenblick zur Mutter hinüber und läßt sich erklären, wie sie die Sachen in den Satteltaschen und einer Extratasche verstaut hat; — sie ist sehr bleich, ihre Hände zittern, aber sie weint nicht.
Gott sei Dank, daß sie nicht weint! Hiller hat vor nichts auf der Welt mehr Angst als vor den Tränen der Mutter.
Die Wachtmeistersfrau hat ein Beefsteak gebraten und ein paar Eier darüber geschlagen, aber der kleine Husar ist zu aufgeregt, er hat gar keine Lust zum Essen. Fräulein Else redet ihm zu, die Wachtmeistersfrau füttert ihn fast, und die Mutter steht am Fenster und sieht mit starren Augen auf die Gruppe.
Teufel, wie die Zeit verfliegt! In zwei Minuten muß er fix und fertig sein.
Der schwergefütterte graue Mantel, der mächtige Falten schlägt, macht aus dem schlanken Jungen eine Kolossalfigur. Der Ledergurt mit Säbel, Patronentasche und Revolver ist so eng, daß er nur mit Mühe geschlossen werden kann. Nun noch der Karabiner auf den Rücken und die Lanze über den Arm! Neben die Kokarde der mit feldgrauem Tuch überzogenen Pelzmütze hat Fräulein Else einen Maiglöckchenstrauß gesteckt.
Der kleine Ernst lacht — er lacht sein goldenes, liebes Kinderlachen. Nimmt die Hände der Mutter und sieht ihr strahlend in die Augen. „Wie gefalle ich dir, Mutter?“
Sie kann nicht sprechen, aber sie will auch nicht weinen. Ihr Gesicht verzieht sich nur.