„Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus!“ verklingt es um die Ecke.
Fräulein Else faßt Frau Hiller am Arm.
„Sehen Sie, wie alle mit zum Bahnhof hinausziehen! Wollen wir nicht auch mit?“ Und wie im Traum wandert sie mit all den anderen den singenden Truppen nach — erst den Flußweg entlang, dann über die Felder — noch über ein paar Straßen hin und durchs Bahnhofsgebäude durch.
Der Extrazug nach dem Osten steht schon bereit. „Einsteigen!“ kommandieren die Wachtmeister, und Ulanen und Husaren schwirren durcheinander. Im Nu sind alle Wagen gefüllt.
Der kleine Hiller will noch einmal zu seiner Mutter, die an einer Säule gelehnt steht, herauskommen; aber es geht nicht. Die Türen werden zugeschlagen, und Soldaten drängen mit ihren Karabinern das Publikum, das bis dicht an den Zug herangekommen ist, zurück.
Noch ein Zurufen — ein Winken — dann zieht die Lokomotive an, und langsam, langsam gleitet der Zug hinaus. Weiße Tücher flattern in der Luft. Verlorene Klänge eines Marschliedes dringen noch zu den Ohren der Zurückbleibenden, dann nichts mehr! Der Zug hat die große Schwenkung nach rechts gemacht! — —
Öd und flach liegt das Altmärkische Land, und man sieht in Unendlichkeiten hinein.
„Nur nicht weinen — nicht wehklagen! Hart sein — deutsch sein! Sich freuen, daß man solche Söhne hat!“ Irgend jemand sagt das dicht an Frau Hillers Seite zu einer Frau, die ganz haltlos schluchzt.
Sie geht wie im Traum neben Fräulein Else zum Bahnhof hinaus, und da es regnet, nehmen sie einen Wagen, der sie zur Kaserne bringt.
Bei der Wachtmeistersfrau in der Küche sitzen ein paar Leute, und einer schreit auf: „Wahnwitzig ist die Welt geworden! Verflucht und tausendmal verflucht jene ruchlosen Köpfe, in deren Hirn der teuflische Gedanke entstand, die Völker gegeneinander aufzuwiegeln!“ Und heißes, verzweifeltes Weinen dringt heraus. — Wildes, unbändiges Weinen, das schon mehr Schreien ist.