Die Großmutter lief hinaus, und Maria stand in weißem, langem Nachthemd mitten im glitzernden Lichtstreifen.

Müd’ war sie, daß der Körper sich kaum aufrecht halten konnte — aber die Nerven waren zugespitzt, als hätte jeder tausend Leben in sich.

Dann kam die Großmutter mit ihrem Spiel, und die Karten flogen. Die Großmutter zählte, schob, legte über- und untereinander und sah mit dem herabhängenden weißen Haar, dem hellen Gewand und den flink fliegenden Fingern wie ein Wesen aus einer anderen Welt aus.

„Also dem Jungchen passiert nichts. Das Kind soll dir erhalten bleiben!“ sagte sie, „aber für dich selbst finde ich nichts Gutes, Maria. Da ist wohl der Herzenskönig, der zu dir hin will, aber dazwischen liegt die schwarze Karte, und wie ich’s auch mische und schiebe, sie kommt immer wieder!“

Und plötzlich sah die Großmutter grade zu Maria auf: „Du hältst es doch nicht mit einem, der dich nicht heiraten will, Maria? Daß du deshalb vielleicht an keinen anderen denkst? Das wäre ein furchtbares Unglück!“

„Blödsinn, Großmutter!“ sagte Maria ärgerlich, „und ich kann so etwas wie dies Kartenlegen nicht vertragen!“

„Du zitterst ja!“ rief Großmutter. „Was fehlt dir denn?“

„Es ist so entsetzlich schwül im Zimmer und so hell.“

„Dann machen wir eben das Fenster auf; es geht ja zum Garten, und niemand kann hineinsehen. Warte, ich hole noch den großen Wandschirm, den rücken wir vors Bett! Nun meinst du — — Herrgott, Kind, es ist ja auch zum Weinen und Jammern. Der Mann tot, der Junge in der Kaserne und die ganze Welt voll Greuel. Ich bringe dir noch den Baldrian, der macht ruhig!“

Und wieder glitt sie über den hellen Lichtstreif hinweg zur Tür hinaus, kam mit ihrer Baldrianflasche wieder und ruhte nicht, bis Maria ein getränktes Stück Zucker geschluckt hatte. „So, nun schlaf’!“ Sie rückte den Wandschirm dicht vors Bett.